Filmkritik: Looper – Eine “runde” Sache

8 von 10 Schrotflinten

Schön! Endlich mal wieder ein halbwegs durchdachter und atmosphärisch gemachter Science Fiction Film mit tollen Schauspielern. Und mit letzterem meine ich, dass die Schaupsieler berühmt sind UND eine tolle Performance liefern, was ja leider nicht immer einher gehen muss, wenn man sich die letzten Auftritte von Bruce Willis so anschaut.

Normalerweise stellen sich mir bei der Erwähnung von Zeitreisen in Filmen oder Serien ja immer sofort die Nackenhaare auf und meine Hand wandert in Richtung Bullshit-Buzzer. Leider widersprechen sich die meisten Zeitreisenfilme unentwegt selbst und auch wenn man versucht, was ich für realistischer halte, mit verschiedenen Paralleluniversen (neuen Zeitlinien) zu arbeiten, kommt sowas raus wie Primer. Und nachdem man den geschaut hat, ist man entweder wahnsinnig oder im Koma.

Looper ist zwar auch keine unkomplexe Story, doch man kann ihr mit moderater, geistiger Anstrengung folgen, ohne andauerd auf gähnende Logik-Löcher zu stoßen. Zu viel über alle Implikationen der Zeitreisen im Film nachzusinnen bringt ohnehin nur meine Denk-Erbse zum qualmen und sollte zur Sicherheit nur mit Bier und unter Aufsicht von Freunden passieren.

In der Zunkunft sind Zeitreisen erfunden, aber unter Androhung der Todesstrafe verboten. Deshalb werden sie nur von Verbrecherkartellen genutzt, um Leichen verschwinden zu lassen, was ansonsten durch technologische Errungenschaften, auf die nicht näher eingegangen wird, unmöglich ist. Dafür werden die Opfer in die Vergangenheit, genau vor einen sogenannten Looper gebeamt, der sie sofort erschießt und entsorgt. Diese Looper arbeiten 30 Jahre lang, bis ihnen ihr eigenes zukünftiges ich geschickt wird, welches sie dann erschießen, um „den Loop zu schließen“ und damit alle Spuren zu verwischen. Mit dem verdienten Geld können die Looper dann in Saus und Braus leben, wissend, dass sie 30 Jahre später von ihrem jüngeren ich erschossen werden.

Und genau da stellt sich natürlich die Frage, ob hier nicht schon das erste Zeitreisen-Paradox sein hässliches Haupt zeigt. Wenn der jeweilige Looper doch schon weiß, was in 30 Jahren passiert, wird er dann nicht bewusst oder unbewusst versuchen das zu verhindern? Allein das Wissen darum würde doch schon alles ändern, oder?

Und genau darum dreht sich auch die zentrale Geschichte von Looper: Das ältere ich von Joe (Bruce Willis) schafft es seinem jüngeren ich (Joseph Gordon-Levitt) zu entkommen. Dies tut er jedoch nicht nur aus egoistischen Gründen, sondern um jemanden zu töten, der in der Zukunft für großes Unheil unter den Menschen sorgen wird. Und genau an der Stelle möchte ich auch nichts mehr über die spannende Handlung erzählen, um den wirklich gelungenen Film nicht zu spoilern. Es sei nur so viel verraten: Wenn ein jüngeres und ein älteres ich in der selben Zeitebene rumrennen, entsteht eine äußerst unterhaltsame Dynamik und Wechselwirkung. Insbesondere, weil alles, was dem jüngeren ich passiert, sofort auch Auswirkungen auf den Älteren hat.

Außerdem wird das Jahr 2044 für mich sehr stimmig und interessant dargestellt. Man sieht eine Vision der Zukunft, die durchaus realistisch und nicht vollkomen lächerlich und Startrek-mäßig überzogen ist. Außerdem gibt es eine Komponente, die Evolutionsbiologen schon länger beschäftigt, die im Film eine beinahe ebenso wichtige Rolle einnimmt, wie die Zeitreisen, und ebenso Ehrfurchtseinflößend ist.

Fazit: Trotz einiger weniger langatmiger Stellen (sagt mir mebscheid, wenn ihr den Aufenhalt auf der Farm auch langatmig fandet) gehört Looper sicherlich zu den besten Zeitreisenfilmen, die es gibt. Eine ungewöhnliche Grundstory, nette Ideen mit Lachern und vor allem sehr gute Auftritte der Schaupsieler runden die Sache für mich ab. Must watch für Scifi-Fans.

Über Thilo (1143 Artikel)
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