Filmkritik: Maleficent – Die dunkle Fee … mal anders

maleficent

8 von 10 Dornen

Fantasy Filme sind was Großartiges. Ich spreche da in erster Linie von älteren „High Fantasy“-Filmen wie Willow, aber natürlich auch von neueren Blockbustern wie den Herr der Ringe– oder den Hobbit-Filmen. Sich in erdachten Welten zu verlieren war schon immer genau mein Ding. Daneben gibt es noch so etwas wie eine Subkategorie, die sogenannten Märchenfilme, die entweder sehr viele „märchenhafte“ Themen aufgreifen oder sogar gezielt ein klassisches Märchen von Hans Christian Andersen oder den Grimms zur Vorlage haben.

Letztere Varianten sind bisher leider meist schlicht und ergreifend in die Hose gegangen. Ich könnte da den bestenfalls mittelprächtigen Snowwhite and the Huntsman oder Jack the Giant Slayer nennen. Märchenfilme scheinen immer dann keine Offenbarung zu sein, wenn sich die Regisseure eng an die Vorlage halten. Was ja auch verständlich ist, denn die Charaktere in Märchen sind häufig furchtbar eindimensional und die Geschichte als solches recht albern. Besser scheint es zu sein, sich in neue Gefilde vorzuwagen und einen berühmten Märchenstoff lediglich als Grundlage für neue Experimente zu verwenden. Dann kann z.B. eine unerwartet unterhaltsame Horror-Komödie wie Hansel & Gretel: Witch Hunters dabei heraus kommen.

Maleficent – Die dunkle Fee macht insofern einiges richtig. Denn Robert Stromberg entfernt sich weit genug vom ursprünglichen Märchen „Dornröschen“, um im Film einige Überraschungen parat zu haben. Außerdem nimmt er sich genug Zeit, um die wichtigsten Charaktere etwas aufwändiger einzuführen, damit sie weniger eindimensional sind und der Zuschauer eine bessere emotionale Bindung aufbauen kann. Doch all das wusste ich vor dem Kinobesuch natürlich nicht. Mich hatten lediglich die bunten Bilder im Trailer angelockt und ich wollte Angelina Jolie mit Hörnern sehen. Die geile Jolie mit Flügeln und Hörnern, genau. Aber würde das reichen?

Der zweite Film neben Interview with the Vampire, in dem Tom Cruise nicht suckt: Legende

Der zweite Film neben Interview with the Vampire, in dem Tom Cruise nicht suckt: Legende

Tatsächlich hat dies für mich schon einen guten Teil der Miete ausgemacht. Die ganze Optik des Films ist so wunderbar verträumt und märchenhaft, dass sie mich an die pollenschwangeren Wälder aus Legende erinnert hat. Ich wurde einfach nicht müde den gespenstisch schönen Umriss von Maleficent im Zwielicht anzustarren und mich an den Kamerafahrten durch verwunschene Heine und knorrige Wälder zu erfreuen. Hier gingen CGI-Grafik und echte Locations so traumhaft ineinander über, dass ich als Romantiker nicht anders konnte als mich wohlig im Innersten berührt zu fühlen.

Apropos Legende: Auch die vielfältigen und fantastischen Kreaturen haben mich sehr an den Klassiker mit dem jungen Tom Cruise oder auch die abgefahrene Puppen-Show in Labyrinth mit David Bowie erinnert. Teilweise unglaubliche alberne Wesen, wie glupschäugige Mini-Trolle, die mit Matsch werfen, aber auch ehrfurchteinflößende und erhabene Baummonster, von denen mich eins an den Balrog aus Die Gefährten erinnert hat, und jede Menge anderes Leben kreucht, fleucht und bevölkert die fantastische Landschaft. Der Unterschied zu Legende oder Labyrinth ist in erster Linie, dass in Maleficent natürlich alles computeranimiert ist was früher durch mehr oder minder glaubwürdige Kostüme dargestellt wurde. An der Stelle hätte ich mir auch einen Kompromiss zwischen Kostümen – an den Stellen wo es Sinn macht und möglich ist – und CGI gewünscht. Denn stellenweise hat die Landschaft mit ihren Bewohnern doch schon leicht künstlich gewirkt und wäre fast als Disney-typischer Animationsfilm durchgegangen.

So hübsch und unschuldig wie die Welt der Feen: Die verfluchte Aurora

So hübsch und unschuldig wie die Welt der Feen: Die verfluchte Aurora

Achtung, Spoiler:

Was den Film jedoch für mich weit in den positiven Bewertungs-Bereich geschoben hat, ist seine Umkehrung der ursprünglichen Story. Und genau diese „verkehrte Welt“ macht den Reiz des Films aus und hat mich ungeahnt nah an den Rand der Tränen gebracht. „Fair is foul and foul is fair“ hat ja bei Shakespeare schon gut geklappt. In Maleficent trennt dieser „Twist“ den Film als Spreu vom Weizen vieler anderer Märchenfilme.

Fazit: Von allen Märchenfilmen der letzten Zeit ist Maleficent auf jeden Fall der Beste. Und falls ihr mir nicht glaubt, schaut doch mal bei Stefan und seiner Maleficent-Kritik im Channel der Geek Show Show vorbei. Im Grunde ist er genau meiner Meinung, nur das er dabei besser aussieht. Und wie wir wissen, haben gutaussehende Menschen immer Recht. Wirklich immer.

Über Thilo (1691 Artikel)
Hi, ich bin der Gründer dieses bekloppten Blogs. Außerdem Realitätsflüchter, Romantiker, Rollenspieler, Gamer, Fantasynerd, Kneipenphilosoph und hochstufiger Spinner. Manchmal jogge oder schwimme ich, doch meistens trinke ich Bier.

3 Kommentare zu Filmkritik: Maleficent – Die dunkle Fee … mal anders

  1. Mr. Nerdy Me // 2. Juni 2014 um 07:34 // Antworten

    Legende ist einer meiner absoluten Lieblingsfilme. Tim Curry ist da so herrlich…
    Apropos Legende: Wußest Du das Robert Picardo (der Holo-Doc von Raumschiff Voyager) Meg Muckelbones (also die grüne Sumpfhexe) gespielt hatte?
    Und wenn Maleficent einen guten Twist hat muß ich mir den auch mal auf die Retina brennen. Aber nicht wegen Angelina (die fand ich früher, als sie noch nicht so ein „Gutmensch“ war tausend mal besser). Nächstes Wochenende wird der Film dann mal gemütlich im Kino geschaut.

    • lol, ne, das wußte ich nicht! 🙂 Naja, irgendwie hat ja jeder von uns mal als „grüne Sumpfhexe“ angefangen… natürlich ahnt man den Twist schon recht früh im Film, hat es für mich aber trotzdem deutlich interessanter gemacht.

    • und btw. Gutmensch hin oder her … would still bang … fürs Album

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