Filmkritik: The Dark Knight Rises – Solider Abschluss einer Trilogie

7 von 10 humpelnden Bruce Waynes

Gleich mal vorweg: Ja, als Bane das erste Mal mit seinen Jungs die Maschinenpistolen sprechen ließ, bin ich unwillkürlich zusammengezuckt und habe mich einmal zum restlichen Kinopublikum umgewendet. So unwahrscheinlich ein Amoklauf in Deutschland mit seinen strengen Waffengesetzen auch ist, aber man weiß ja nie, ob nicht irgendwelche durchgeknallten Trittbrettfahrer beschlossen haben zu Ehren ihres großen Vorbilds auch in deutschen Kinos für „lebensechte Spezialeffekte“ zu sorgen. Die Welt ist leider voll mit Bekloppten. Die harmlosen davon, wie ich, suchen ihr Ventil, indem sie so einen Blog hier schreiben und die anderen ballern rum. Aber glücklicherweise waren keine Amokläufer an Bord. Jeden Witzbold mit bunten Clownshaaren hätte ich ohnehin schon beim Betreten des Kinos massakriert.

Apropos Kinotragödie: Christian Bale ist scheinbar ein echt cooler Typ und hat alle überlebenden Opfer im Krankenhaus besucht. Allerdings hat er es heimlich und ohne Pressewirbel gemacht. Hut ab, Mr. Wayne!

Jetzt aber zum Film! Ohne zu spoilern kann ich verraten, dass der Film echt spannend ist und die vorangegangenen Teile zu einer größeren und epischen Geschichte verbindet. Er kann zwar nicht mit der genialen Joker-Show mithalten, aber er ist durchaus ein würdiges Ende für die Nolan-Trilogie. Trotzdem verspüre ich überhaupt nicht das Bedürfnis ihn noch mal zu schauen, geschweige denn jeden Abend vor dem Schlafengehen die Bluray-Hülle des Films zu küssen, wie ich es mit den Avengers vorhabe. Woran das liegt, können interessierte, die den Film ebenfalls bereits gesehen haben, in meinem SPOILER-geladenen Gedanken zum Film auf der nächsten Seite lesen:

It’s the eye of the Tigöööööööööööööööör!

RANDOM THOUGHTS feuerfrei!

Nolans Version von Batman:

Bisher fand ich Nolans Ansatz einen realistischen Helden anstatt eines comichaften Überhelden zu schaffen sehr gut. Das hat Batman Begins und The Dark Knight so schön düster und spannend gemacht. Diesmal muss ich jedoch sagen, war mir Batman nicht Batman genug. Irgendwie hätte ich mir seine Aktionen heldenhafter gewünscht und vor allem zahlreicher. Der Film läuft schon ziemlich lange bis Batman überhaupt in Aktion tritt. Auch dass der Batwing nicht wie eine Fledermaus aussah, fand ich irgendwie schade. Klar, auch der Tumbler sah schon nicht aus wie das typische Batmobil und ja, es hat auch besser zum realistischeren Batman gepasst, aber diesem Teil hätte ein Schuss mehr Comic tatsächlich gut getan.

Einige logische Schwächen:

Wieso humpelt der 8 Jahre gealterte Batman? Und wieso hat er überhaupt beschlossen die Maske abzulegen? Wird das irgendwie näher erklärt oder war ich zu sehr von Catwomans Leathersuit abgelenkt?

Ich möchte außerdem STARK bezweifeln, dass man jemandem einfach einen aus dem Rücken ragenden Wirbel wieder ins Kreuz schlagen kann, ohne denjenigen in den Rollstuhl zu schicken. Außerdem hätte ich mir für den physischen Teil der „Dark Knight Rises“-Kiste zumindest eine Montage wie bei Rocky gewünscht. Also, ich kann mich nicht mit zwei, drei Liegestützen vom Krüppel zum Hero pushen…

Apropos Rocky: Die Kämpfe zwischen Batman und Bane haben mich ebenfalls stark an Rocky erinnert in ihrer Brutalität und Sinnlosigkeit. Alfred sagt es Batman doch: Der Typ ist jünger, stärker, schneller und entschlossener, während Fledermausmann nur noch ein Krüppel ist. Was also macht Batman ganze 2 Mal im Film? Genau, er geht zu Bane hin und fordert ihn zum Zweikampf heraus. Das erste Mal wird er zum Invaliden geschlagen und das zweite Mal gewinnt er vermutlich mit mehr Glück als Verstand. WHY? Wieso nutzt Batman nicht seine Intelligenz, seine Gadgets und seine Geschicklichkeit gegen Bane? Also, wenn ich weiß, dass ich gegen Kante MacFleischsack kämpfen muss, überlege ich mir eine Strategie und fange nicht an einfach mehr Liegestützen zu machen…

Ich möchte ebenfalls stark bezweifeln, dass ein Bösewicht einige Monate lang eine Großstadt belagern und den Kriegszustand ausrufen kann, ohne dass die US Regierung mal vorbei schneit und fragt was so abgeht.

Und dann noch die Sache mit dem zugefrorenen Fluss und den Opfern, die rüber laufen und einbrechen müssen… Als Gordon mit seinen Leuten rübergeht, steht plötzlich Batman vor ihnen, der scheinbar aus einer anderen Richtung dahin gestelzt ist. Ich dachte schon, die Kamera schwenkt jetzt nach unten und zeigt alberne, fledermausförmige Schneeschuhe. Klar, ich würde auch mit einem schweren Kampfanzug auf das Eis gehen, nur um einen lässigen Auftritt zu haben und Gordon das Riesenfledermaussymbol an der Brücke anzünden zu lassen. Dafür sollte immer Zeit sein. Auch wenn gerade eine 4 Megatonnen-Atombombe tickt, sollte für ein bisschen Show-off IMMER Zeit sein.

Die Schauspieler:

Trotz anfänglicher Bedenken war Anne Hathaway als Catwoman geil. Ich möchte ihr ein Kind machen.

Tom Hardy war als Bane schon sehr furchteinflößend, aber eine Witzfigur gegen Heath Ledger’s Joker, das muss man schon sagen. Aber man bekommt Oskars ja auch nicht einfach so in den Hintern gesteckt.

Nochmal wegen der dunklen Stimme von Batman: Wir haben einen guten Teil der Rückfahrt damit verbracht uns über seine Grunz-Stimme lustig zu machen. Irgendwie kam sie mir diesmal deutlich lächerlicher vor als in den anderen Teilen. Besonders, wenn er auch mit Leuten, die seine wahre Identität kennen und mit ihm allein sind, nicht normal spricht. Das wirkt irgendwie ziemlich albern.

Das Ende:

Hätte ich ganz anders erwartet. Einige Male im Film weist Batman darauf hin, dass jeder Batman sein könnte, weil er nur ein Symbol ist. Er gibt diesem anderen Polizeifuzzi einige gute Tipps und später sogar den Zugang zu Bat-Höhle. Als Herr Wayne dann beschließt in Rente zu gehen, um für den Rest seiner Tage Catwoman in Paris das Hirn raus zu vögeln, war ich der festen Überzeugung, dass die Maske an einen neuen Batman weitergegeben wird. Es ist jedoch eindeutig, dass der Typ Robin ist. Wie bitte macht das denn Sinn? Robin gibt es doch gar nicht ohne Batman, oder? Und selbst wenn, wer will bitte den bunten Clown Robin als alleinigen Beschützer von Gotham sehen? Auch, wenn er später als „Nightwing“ scheinbar einsieht, dass sein altes Kostüm deutlich zu gay war.

Ach ja, und dann wäre da ja noch Justice League of America. Trotz schwieriger Umsetzbarkeit soll der ja nun doch noch gemacht werde, um die Cashcow kräftig zu melken. Ich würde mal behaupten, dass Nolan das Vorhaben mit seiner Version von Batman nochmal deutlich schwerer gemacht hat. Sein realistischer und leicht zu verwundender Fledermausmann ohne „echte“ Superpowers dürfte in einem Team von Superman, Green Lantern und dergleichen mal so gar nicht funktionieren. Besser fast, sie lassen ihn ganz weg. Oder noch besser: Lasst die Finger von JLoA.

Über Thilo (1143 Artikel)
Hi, ich bin der Gründer dieses bekloppten Blogs. Außerdem Realitätsflüchter, Romantiker, Rollenspieler, Gamer, Fantasynerd, Kneipenphilosoph und hochstufiger Spinner. Manchmal jogge oder schwimme ich, doch meistens trinke ich Bier.