Meine Gamescom Highlights 2026: Indie Games, Trading Cards & Retro

Afterworld, ein post-apokalyptisches Strategie-Spiel von Paradox Development Studio
Eigentlich gehe ich ja schon seit Jahren nicht mehr auf die Gamescom – dieses Monster von einer bombastischen Spielemesse, das mittlerweile sogar am Fachbesuchertag schon aus allen Nähten platzt.
Da hebe ich mir meinen Nervenzusammenbruch doch lieber für die Nachrichten oder meinen Drucker auf.
Vielleicht bin ich auch einfach zu alt für die Sch*****…
Doch dieses Jahr hatte sich auf Social Media ein besonderer Gast angekündigt: Spieleentwickler und Science-Fiction-Autor Ivan Ertlov!
Und da dachte ich mir: Das ist meine Chance den Schöpfer der berühmten Avatar-Reihe endlich mal außerhalb von Australien zu erwischen! Wer weiß, wie lange er noch den Fäusten erotisierter Kängurus entgehen kann? Ich muss endlich den Mann mal auf ein Bier einladen. Oder ein geteiltes Glas Rheuma-Tee. Immerhin durfte ich mich schon in einem seiner Romane vergießen und damit seine Buch-Einnahmen auf ein “Bleib mal auf dem Teppich”-Niveau runterschrauben. Haha.
Und so sollte es kommen!

Endlich: Das legendäre Treffen der “Eingeschlagenen Wirtshaustüren”.
Es war mir ein inneres Baby-Schwein-Streicheln. Aber Ivan hat mir nicht nur über sein idyllisches Leben mit Süßwasser-Haien und Roman-Deadlines berichtet, sondern auch von seinem neuen Game Potions, Please!, das er zusammen mit seiner Frau aus der Taufe hebt.
Schaut euch unbedingt meinen Artikel zu dieser abgefahrenen Rollenspiel/Alchemie-Shop-Simulation an, zu der Ivan persönlich seinen kranken (den Besten also!) Humor beigesteuert hat.
Gamescom damals und heute
Ich war übrigens das letzte Mal 2016, also vor 10 Jahren (!!!) auf der Gamescom. (2019, hatte ich Jörg, meinen Fleisch-Avatar für Außeneinsätze geschickt.)
Seitdem hat sich die Gamescom, zumindest in meiner Wahrnehmung schon sehr verpuppt – ist größer, diversifizierter und einfach noch bombastischer geworden.
Und ich muss zugeben, dass ich es diesmal wirklich genossen habe, durch die Hallen mit ihren riesigen, aufwändig gestalteten Spielekulissen zu wandeln. Durch Aufbautenwie Valheims Troll, einen Gears of War-Hulk, ein Witcher-Monstrum, die fantastische Kulisse zu Where Wind Meet und unzählige andere, kommt eine seltsam anheimelnde “Rummel-Geisterbahn-Atmosphäre” auf.




Überhaupt hatte ich das Gefühl, dass auf der Gamescom 2026 alles einfach noch größer, krasser und heftiger sein musste. Da haben sich einige (bekokste?) Leute wohl sowas gedacht wie: “Wir brauchen MEHR! Einfach mehr von ALLEM! Haben wir schon ein Glücksrad? GEILE IDEE VON MIR! Ich will ein Glücksrad mit Preisen. Überhäuft die Leute mit Preisen! Mega vielen Preisen! Einer Lawine von Preisen! Einfach ALLEN PREISEN! Ach, fuck it! Lass uns komplett kosmisch werden! WIR… WIR… *röchl*… wir geben ihnen… UNENDLICH PREISEEEEEE! FUUUUUUUUUUUUUU…!” *Detonationsgeräusch*

Aber all dieser Bombast, über alle diese Hallen verstreut (das könnte ein Level in Liams Labyrinth sein!), hat auch seinen Preis: Man läuft an einem Tag, gefühlt, mehr Meter als die Gemeinschaft des Rings.
Und beim Durchqueren von Verbindungsfluren, Versorgungstunneln und Minenschächten, hätte es wirklich langweilig werden könnten, wenn mich nicht der Beste der Besten der Besten, the one and only Impericus (der hier auch schon einige Artikel verfasst hat), begleitet hätte!

Ja, auf den Mann ist in jeder Lage Verlass… äh…
Und was haben die legendären Irren auf der Gamescom gemacht?
Die Triple A-Games der Gamescom 2023
…haben wir ausgelassen.
Ich hatte mir eigentlich vorgenommen Minecraft Dungeons II (für meinen Sohn), Where winds meet, Alien: Isolation 2, Turok: Origins, The Blood of Dawnwalker, The Witcher 3: Songs of the Past, Star Wars Galactic Racer und viele andere anzuspielen.
Wieviele ich davon geschafft habe? NULL!
Irgendwie hatten weder Impericus noch ich Lust uns für ein Triple A-Game anzustellen, für das wir ohnehin schon Stunden von Material auf YT gesehen haben oder das wir uns so oder so kaufen werden, wie, in meinem Fall, z.B. Star Wars Galactic Racer.
Außerdem kann es ja nicht zielführend sein auf dieser Nischen-Nerd-Seite über Games zu berichten, die in den kommenden Tagen auf allen großen Games-Portalen und -Kanälen bis zum Abwinken durchgekaut werden.
Da seid ihr leider falsch abgebogen zu einem Blog, der von einem nostalgisch-verklärten Kindskopf geschrieben wird, der schon fast ein halbes Jahrhundert Videospiele spielt und (fast) nur noch durch verrückte Indie-Games oder Retro-Klassiker aus der Reserve gelockt werden kann…
Deshalb haben wir erstmal…
Trading Card Games
…gezockt.
Die neue Hobbit-Edition von Magic the Gathering wollte probegespielt und das für mich bis dato unbekannte Star Wars Unlimited ausprobiert werden.

Magic hat wie immer Spaß gemacht, auch, wenn meine verschiedenen Gollum-Varianten von Impericus’ Elfen in Grund und Boden gestampft wurden.

Star Wars Unlimited, mit seinen Bodentruppen und Weltraumeinheiten war interessant, aber auch etwas umständlich mit den Damage-Countern. Das müsste ich noch häufiger spielen, um eine richtige Wertung abgeben zu können. Potenzial hat das Star Wars-TCG allemal.
Nett natürlich, dass man meist mit Promo-Karten, Exclusives und anderen Goodies entlassen wird.

Dann war es Zeit die Indie-Games auszuchecken, für dich ich gekommen war, allen voran:
Motu – Dragon Pearl of Destruction

Der Stand war relativ leer, weil sich nur so peinliche Motu-Nerds wie ich (mit Impericus im Schlepptau) hier rumgerieben haben.
Daher konnten wir relativ lange und sogar bis zum Ende der Demo spielen.
Grinsen mussten wir, als die beiden, die hinter uns warteten, (gut hörbar) meinten: “Äh, wie lange zocken die denn noch? Wir würden auch gerne mal.”
Der Verantwortliche am Stand: “Äh, sorry, normalerweise dauert das nicht so lange, weil die Leute irgendwann draufgehen.
HARHARHAR! DA HABEN SIE DIE RECHNUNG ABER OHNE DIE ALTEN GOLDEN AXE-PROFIS GEMACHT!
Denn genau das ist Motu – Dragon Pearl of Destruction: Ein alberneres Golden Axe mit He-Man.

Was soll ich sagen? Ich war nicht enttäuscht, aber ich weiß jetzt, warum das Spiel immer weiter verschoben wurde und nun erst Anfang 2027 rauskommen soll. Es sieht gegen ein das-Genre-neu-definierendes Spiel wie Absolum beinahe erbärmlich aus.
Natürlich macht es trotzdem Spaß.
Es hat kultige Pixeloptik, tonnenweise Anspielungen und spielt sich wirklich genau wie Golden Axe. Man wirft sogar (Sternenstaub?) statt Tränke hoch, um Orko oder, wenn man mehr Power gesammelt hat, die Sorceress zur Hilfe zu rufen. Und anfänglich ist es auch witzig, wenn Orko Ambosse auf die Köpfe der Gegner fallen lässt. Doch einige andere Animationen wirkten noch etwas unfertig oder halbherzig erdacht…
Und da hören die Probleme auch nicht auf.
Das einzige in der Demo nutzbare Reittier war Battlecat. Doch He-Mans Kampftiger ist viel zu groß geraten – drei Mal größer als die Reitsaurier in Golden Axe – und verdeckt für den Mitspieler viel zu viel vom Screen.
Aber nennen wir mal den wahren Elefanten im Raum beim Namen: Absolum.
Daran muss sich jedes neue “Golden Axe-artige” Prügelspiel messen lassen:
Roguelike-Mechanik für Langzeitmotivation.
Eine riesige Karte, die man auf verschiedenen Wegen erkunden kann.
Wilde Skill-Kombinationen, die Ultis und Attacken so stark verändern, dass kein Run wie der andere ist.
Geniale Gegner, Reittiere, Endbosse, Geheimnisse. Sogar PvP!
Wenn Motu – Dragon Pearl of Destruction nicht nur ein nostalgischer Fan-Service für Motu-Hardcore-Nerds sein will, den man kurz mal durchspielt und dann sofort wieder löscht, müssen die Developer noch jede Menge Arbeit reinstecken.
Nur auf der Kult- und Retro-Welle zu reiten reicht einfach schon lange nicht mehr.
Spiele wie Absolum, das ich mit meinem Sohn wochenlang gezockt habe und gelegentlich noch immer zocke, haben gezeigt, wie sich Klassiker in neuem Gewand in ein neues Zeitalter übertragen lassen.

Daher verließen Impericus und ich den Stand etwas desillusioniert mit einem Blick auf diese Freaks aus einem Alternativen Universum und suchten…
WotC: Warlock
Natürlich wollte ich als D&D-Fan auch auf jeden Fall das neue Wizards of the Coast-Game “Warlock” anspielen.
Leider gab es jedoch nur den Hauptcharakter des Spiels in Form dieser niedlichen Cosplayerin, mit der man ein Foto machen konnte.

Schade, denn mich hätte das Einzelspieler-Action-Adventure, das wohl in Ravenloft, einem meiner All-time-Favorit-D&D-Settings, spielt (Irgendwo war die Rede von Darkon…) extrem interessiert.
Mittlerweile ist das Reveal-Gameplay-Video auf YT aufgetaucht und sieht wirklich sehr atmosphärisch aus. Ich werde, sobald es rausgekommen ist, definitiv als Kriegerin Kaatri einen Warlock-Pakt mit der legendären Hexe Tasha eingehen. Allein schon wegen des drolligen Imp- oder Teufelchen-Sidekicks:
Müde und abgekämpft von der Odyssee durch die Hallen blieb uns letztlich nur noch die Oase aller 40+ Rentner.
Die Retro Area
Hier hätte ich ewig sitzen und mit alten Heimcomputern und Konsolen spielen können. Gönnt euch diese Schnappschüsse, die in mir wohlige Mini-Orgasmen auslösen.









Aber außer 8-, 16- und 32-Bit-Zocken wollte ich in der Retro-Hall auch endlich mal ein paar Leuten “hallo” sagen, die ich bisher nur online kannte.

Schnell war Hardy vom Nerdwelten-Podcast gefunden. Mit ihm wollte ich mich später noch länger unterhalten, doch als ich ein zweites Mal aufkreuzte, war er gerade mit einem Videodreh für das Retro Gamer-Mag beschäftigt, wobei ich ihn nicht stören wollte.

Deshalb schlenderten wir weiter zum Stand des Deutschen Flipper- und Arcade-Museums, das ich auch dringend endlich mal in Seligenstadt besuchen muss.
Hier fanden wir neben dem improvisierten 12er-Daytona auch einen wahren Schatz der Arcade-Automaten aus der Hölle:
Dong Dong Never Die

Was… zur Hölle?
Kennt jemand diesen Street Fighter-Verschnitt mit furchtbaren Normalos?
Das wirkt, als hätte jemand seinen gesamten Freundes- oder Bekanntenkreis eingescannt und als Digi-Fighter des Grauens aufgestellt.
Wir haben Tränen gelacht, während wir mittels sinnlosem Button-Mashing und Stick-Gerüttel die absonderlichsten Moves und Spezialattacken vollführt haben.
Wer wissen möchte, wovon zum Henker ich hier rede, mag sich mal dieses Gameplay-Video zumuten:
Und ich glaube, dass Dong Dong Never Die auch ein schönes Schlusswort für diesen Artikel bildet.
Ich hätte nicht gedacht, dieses Jahr so viel ungezogenen Spaß auf der Gamescom zu haben. Auf allen Ebenen!
Mein Fazit: Ich würde nächstes Jahr wahrscheinlich nochmal wiederkommen. Natürlich nur, wenn die Verantwortlichen noch mal glauben, dass mein schäbiger Blog ein Presse-Ticket rechtfertigt… hust.





