Netflix‘ Titans versöhnen mich mit DC

© Warner Bros. Television

Was passiert wenn man die Ultra-Schnulze Gilmore Girls mit dem unlogischen Superhelden-Kitsch The Flash mischt? Genau, das kaum zu ertragende Kind heißt Supergirl. Doch jetzt auf dieser albernen Beziehungs-Schmonzette rumzureiten wäre müßig, da mich das Serienuniversum von DC bereits mit Arrow, The Flash, Black Lightning, Legends of Tomorrow, und wie sie alle heißen, an den Rand der Verzweiflung gelangweilt hat. Die „fliegende beste Freundin“ war nur der Zuckerguss auf der Torte mit dem abgelaufenen Haltbarkeitsdatum.

Wer es etwas seriöser und düsterer mag und nicht bis zur angekündigten Watchmen-Serie warten möchte, dem kann ich nur Blut-warm DCs Titans empfehlen.

Mit dieser Serie erinnert sich DC zurück an seine düsteren, cineastischen Wurzeln, mit denen es schon immer ein willkommenes Gegenprogramm zum weitestgehend freundlicheren Marvel gebildet hat. Doch selbst für das dark & gritty von DC ist Titans nochmal düsterer und blutiger als das Aufgebot unterschiedlicher bunter Haarfarben oben auf dem Foto vermuten lässt.

Titans ist die Origin-Story einer jungen Gruppe von Superhelden, die alle samt „die Schnauze voll von der Scheiße“ haben. Und mit „Scheiße“ sind hier die Welt, ihr Platz darin und die Kräfte gemeint, die sie nie haben wollten und nun aber als Teil ihres Lebens und ihrer Persönlichkeit akzeptieren müssen.

Und genau diese düstere Prämisse hat mir Titans gleich sympathisch gemacht. Jeder Titan hasst seine Kräfte oder zumindest seine damit verbundene Vergangenheit.

Als Spot Light haben wir Robin, der sich von Batman getrennt hat, weil er schon lange nicht mehr auf dessen nächtliche Gewaltorgien klar kommt. Seine alten Gewohnheiten aufzugeben, fällt ihm sichtlich schwer. Dazu gesellt sich im Verlauf der Serie die dämonenbesessene Rachel, der unfreiwillige Shapeshifter Gar und die „explosive“ Kory, von der ich noch gar nicht zu viel verraten will.

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Alle haben jedoch eines mehr oder weniger gemeinsam: Den Kampf gegen ihre inneren Dämonen. Und damit wird Titans nichts nur atmosphärisch eine interessante Mischung aus Superhelden-Sidekick-Serie und Supernatural, sondern auch zu einer Metapher für das Leben mit mentalen Krankheiten, Andersartigkeit und Einsamkeit.

Vielleicht ist es gerade deswegen so befriedigend den Werdegang und die Geschichte dieser Gruppe von Misfits zu begleiten: Wir erleben, wie sie trotz aller Probleme und Unterschiede am Ende zu einer Art Familie zusammenwachsen. Und die Botschaft ist eindeutig: DU BIST NICHT ALLEIN. Im Gegenteil, all unsere individuelle Andersartigkeit wird, in einen Topf geworfen, zu einer extrem starken Verbindung. Lass es alles raus und schrei:

TITANS Final Trailer (2019) DC Universe, Netflix Series HD

Aber mal abgesehen von der unterliegenden Botschaft und der, für mich, erfrischenden Rückbesinnung auf etwas „ernstere“ Inhalte, hatte die Serie geile Action, gute Musik und schön viele Verweise auf das restliche DC-Universum. Neben verschiedenen Anspielungen auf die Justice League, werden in Nebensätzen auch gerne mal Schmankerl fallen gelassen, wie die Fehde zwischen Batman und Superman. Und als wäre das nicht genug Bezug zu den Powerhouses von DC, treffen die Titans auch schon mal auf etwas mächtigere Sidekicks, wie z.B. die kleine Schwester von Wonder Woman, Donna Troy.

© Warner Bros. Television

Dabei fand ich es auch schön gemacht, wie mit der großen Fledermaus geteast wird, ohne Batman (bis auf die letzte Folge) jemals zu zeigen. Die Existenz der Titans „im Schatten von Batman“ funktioniert erstaunlich gut und sorgt für die nötige Gänsehaut bei DC Fans. Batman dient auf diese Weise nur als mystisches Schreckgespenst, das gerade durch seine Abwesenheit viel Atmosphäre erzeugt. Auch, wenn die Produzenten für die allzu leidenden Batman-Fanboys hin und wieder mal ein Batmobil im Augenwinkel rumstehen lassen.

Eine meiner Lieblingsepisoden ist die mit der kauzigen Doom Patrol, zu der es ja auch schon einen ersten Trailer zum eigenen Spin-Off gibt. Damit hatten die Titans vorerst den Höhepunkt ihrer eigenen Freak Show erreicht.

Endlich NORMALE Leute! Robotman & Negative Man von der Doom Patrol © Warner Bros. Television

Ist hier also alles Gold was glänzt? Sicher nicht. Die Serie ist alles andere als perfekt und sicherlich mit ihren „Super-Emos“ nicht jedermanns sache. Aber auch wenn manchmal recht offensichtlich das CGI-Blut rumspritzt und Gar in Tigerform echt cringeworthy ist (also echt Cringy Cringerson. Ober-cringy!), tut das für mich den Titans keinen Abbruch.

Nach dem üblen Cliffhanger am Ende der letzten Folge von Staffel 1, bin ich schon sehr gespannt auf die angekündigte zweite Staffel. Besonders, weil ich gespannt bin, wie sich die Dynamik der Gruppe weiter entwickelt, wenn bald – wie die After Credits Scene in Metropolis nahelegt – ein extrem schlagfertiger Sidekick zu den Titans stößt. Komplett mit Schoßtier.

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2 Kommentare zu Netflix‘ Titans versöhnen mich mit DC

  1. Noch so ne Helden Murks Serie Sponsert by Netflix… da schüttelt es mich.
    Ich finde es fehlt Superhelden „Real“ Serien an Geld um gut zu sein.
    In Comics und Zeichentrick Serien ist es günstig und relativ einfach die richtige Atmosphäre und Effekte zu erzeugen die mich seit meiner Kindheit begeistern. Filme schaffen das mittlerweile auch meistens recht gut… weil sie eben nur um die zwei Stunden gehen und Millionen an Produktionskosten schlucken.
    Alle Helden-Serien in die ich bis jetzt rein geschaut habe haben hingegen, zumindest bei mir, auf ganzer Linie voll verk****.
    Nach

    • ok, ganz so drastisch sehe ich es nicht 🙂 Aber etwas mehr Kohle für die Effekte wären hier auf jeden Fall nice gewesen. Ein besserer Tiger hätte schon alles rausgerissen.

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