Rise of Skywalker ist Disneys Entschuldigung für The Last Jedi

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7 von 10 Todessternkanonen

Wollte The Rise of Skywalker ja eigentlich auslassen. Aus bekannten Gründen. Weil Ruin Johnson nicht weiß was Star Wars ist, jedoch trotzdem den Mittelteil der neuen Trilogie anzünden durfte. Irgendwie logisch, dass der Plot von Episode 9 dann nicht akzeptabel laufen kann, wenn er mit zwei gebrochenen Beinen an den Start geht…

Doch mein Childhood Buddy Marcus, der The Last Jedi wie ich und der Großteil der Star Wars-Fans zum Kotzen findet, riet mir den Film trotzdem anzuschauen und Jar Jar Abrams eine Chance zu geben.

Nun komme ich aus diesem wahnwitzigen Action Ride und fühle mich nicht ansatzweise so emotional aufgewühlt, wie es der Abschluss der Geschichte um die Skywalkers verdient hätte.

Nicht, dass ich überrascht wäre.  

Denn es ist natürlich haargenau das passiert, was ich vorausgesagt habe: Die Zeit, die The Last Jedi als wichtiges Brückenstück der Trilogie mit selbstverliebtem, prätentiösem, aber vor allem schwachsinnigen Mumpitz verschwendet hat, fehlte nun im letzten Teil der Trilogie, so dass uns das Trio um Rey, Finn und Poe noch nicht wirklich ans Herz wachsen konnte.

Das Ergebnis ist ein Flickenteppich – im Netz auch Frankensteins Monster genannt -, der es ziemlich wahrscheinlich macht, dass die Gerüchte um die vielen Nachdrehs bis kurz vor Kinostart und die Testvorführungen, aus denen die Leute empört rausgelaufen sind, wahr sind.

Im Grunde könnte ich dieses Review abkürzen und The Rise of Skywalker ungefähr so zusammenfassen:

Erste Hälfte: Alles nachholen was Last Jedi versäumt hat.

Zweite Hälfte: Return of the Jedi nochmal abspulen.

Ganzer Film: Sich für Last Jedi entschuldigen und Ruin Johnson in die Fresse schlagen. Alles gespickt mit Fanservice, Humor und geilen Bildern.

Aber etwas genauer möchte ich meine Meinung schon ausführen und belegen, warum ich Rise of Skywalker trotz seiner unvermeidbaren und offensichtlichen Schwächen trotzdem gut finde. Dabei werde ich natürlich SPOILERN ohne Ende, was bei diesem Film jedoch kaum schaden dürfte. Denn noch nie in der Geschichte des Films bzw. des Internets wurde ein Film derart im Vorfeld gespoilert wie RoS. Schlicht und ergreifend, weil die meisten nach The Last Jedi bereits mit der neuen SW Trilogie abgeschlossen und die neuen Charaktere zu den Akten gelegt hatten. No one gave a shit anymore.

Doch für sich gesehen und ohne den furchtbaren Kontext der Trilogie, kann RoS durchaus Laune machen. Was die Leute über den Film sagen ist wahr und zwar alles. Das Gute, das Schlechte und das Furchtbare. Ich fange mal mit der Schattenseite an und arbeite mich dann ins Licht vor.

The Rise of Skywalker: Die Albernheiten

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Ja es stimmt. J.J. Abrams hatte keinen Plan wie er diesen Karren noch aus dem Dreck ziehen sollte. Deswegen besteht die erste Hälfte des Films auch aus kurzen Episoden, in denen unsere Helden endlich mal bonden dürfen und verschiedene Artefakte finden müssen. Genau wie in einem Computerspiel.

Es ist offensichtlich, dass der Film dabei erst mal haufenweise Last Jedi-Scheiße mit dem Mob in einen Gully schieben muss. Doch trotzdem ist noch jede Menge Schrott übrig, um den mehr oder weniger elegant herumgeschippert werden muss. So lebt ja z.B. Leia noch, obwohl ihre Schauspielerin tot ist, und Luke ist tot, obwohl Mark Hamill noch am Leben und ready to go ist. Das führt dazu, dass wir ständig dasselbe reingeschnittene Gesicht von Leia sehen, um sie noch irgendwie im Plot unterzubringen. Und als kein Leia-Material mehr übrig ist, schläft sie endlich friedlich ein. Kein epischer Abgang für diesen Charakter, aber auch nicht unwürdig wie der Furz-Tod von Luke.

In der zweiten Hälfte erklärt sich Disney, bzw. J.J. Abrams dann offiziell für geistig bankrott. Warum neue Ideen haben, wenn man auch einfach exakt das Ende von Return of the Jedi nochmal abspielen kann? Palpatine hat mirakulös überlebt und zieht mit Rey dieselbe Nummer ab wie einst mit Luke. Gähn. Aber eigentlich dürfen wir uns darüber nicht aufregen, denn das hat Abrams in TFA mit der Starkiller Base ja auch schon gemacht. Wäre vielleicht doch schlau gewesen all die fertigen Star Wars-Geschichten aus dem Expanded Universe nicht auf dem Scheiterhaufen zu verbrennen, wenn man selbst keine Ideen hat, oder? Und dann sagt Kathleen Kennedy in einem Interview auch noch, dass sie ja kein Material gehabt hätten. Ja, so ist das, wenn man „die Vergangenheit sterben lassen“ will aus finanziellen Interessen. Und Dummheit.

Insofern haben mich die unzähligen Todessternkanonen auf den Sternenzerstörern auch nicht mehr gewundert. Nach Starkiller Base musste ja noch der Overkill kommen. Auch wenn man vorher einen ganzen Mond oder Planeten brauchte, um die Maschinerie und Technik für einen Planetenkiller-Todesstrahl unterzubringen, passen die Dinger jetzt auf Raumschiffe. Why not. Ich freue mich schon auf Episode 10, wo jeder eine Todessternlaser-Taschenlampe am Gürtel hängen hat.

Aber JJ erfindet natürlich noch mehr Shit, der die Logik vorangegangener Filme schwierig macht. Force Teleportation und Force Healing sind nicht viel weniger problematisch als Force Ghosts, die ganz normal in unsere Welt eingreifen können. Aber ich mache ihm keinen Vorwurf. Irgendwie musste er den Kahn ja zum Hafen zurückfahren. Und neue Force Powers (zumindest in den Filmen neu) machen ja auch Spaß. In den Büchern und Spielen sind Heilung oder Lebenskraftentzug ja auch nichts Besonderes.

Die Knights of Ren hätte ich nur vielleicht in der Versenkung gelassen. Und wenn, dann hätte ich sie nicht ohne Schusswaffen in Müllhalden-Rüstungen kämpfen lassen. Wer braucht Blaster? Oder sinnvolle Rüstungen? Diese Monty Python-Ritter waren nur da, um von Kylos Lichtschwert zersäbelt zu werden, oder? Arme Würste.

Ach und dann gab es so viel Kleinkram, der seltsam war, dass ich ihn gar nicht mehr zusammen bekomme. Chewie wurde von Rey gegrillt und war tot, oder? Wieso lebte er dann einfach wieder? Ich habe krampfhaft nach Spuren verbrannten Fells gesucht, aber nichts. Der hatte keinen Kratzer. Wird das irgendwie erklärt?

Oder diese unnötige Bilbo-Fratze der bösen Rey. Hätten sie doch lieber die Eier gehabt Rey einfach wirklich zur Sith zu machen, die dann von Ben besiegt wird. Oder geheiratet. Grey Jedis FTW!

Ok, aber kommen wir mal zum guten Teil.

Das Zerstampfen von The Last Jedi

Oder: Warum Last Jedi Fans The Rise of Skywalker nicht gut finden können!

Auf Rotten Tomatoes geben über 200.000 Leute The Last Jedi eine Wertung von 43%. Dagegen sieht eine Handvoll Kritiker den Film im 90%-Bereich. Interessanter weise ist es bei Rise of Skywalker genau umgekehrt. Ich frage mich warum? Nein, eigentlich ist es offensichtlich. Leute, die The Last Jedi gut fanden bzw. seine Grand Canyon-Plot Holes mit Pseudoargumenten verteidigen, können Rise of Skywalker eigentlich nicht gut finden. Denn RoS dementiert so gut er kann alles was Last Jedi aufgefahren hat. Jemand im Netz meinte, dass man Johnson nur härter hätte dissen können, wenn der ganze Film in Motion Smoothing gedreht worden wäre; einer Technik, die Johnson hasst.

Tja, was soll man sagen. Wir hatten von Anfang an mit allem Recht. Von wegen “Let the past die”. Sie wird in RoS sogar sprichwörtlich und mannigfaltig wieder zum Leben erweckt. Mit dem Imperator als reanimiertem Gammelfleisch, mit Luke und Leia als Force Ghosts und sogar mit Han Solo als personifizierter Erinnerung/Vision. Was allein an Fanservice in den Film gepackt wurde, ist kaum in Worte zu fassen. The Rise of Skywalker schreit förmlich “SORRY FÜR THE LAST JEDI! HIER IST ALLES WAS IHR LIEBT! BITTE KAUFT UNSERE PRODUKTE!“ Es wäre fast traurig, wenn es nicht gleichzeitig so witzig wäre…

Auch Rey ist natürlich doch kein Niemand. Sie ist sogar mit Palpatine verwandt, wodurch sie Blitze schießen kann, als wäre es das Natürlichste von der Welt. Und am Ende nennt sie sich Rey „Skywalker“… weil man eben nicht die Vergangenheit sterben lässt, wenn man sie schön fand und glorreiche Kindheitserinnerungen daran hängen. Know your audience, Disney. Oder verliere 7 Milliarden wie Gillette.

Auch sehr angenehm: SJW Crap und Identity Politics sind diesmal in der Galaxy far far away auf ein Minimum reduziert. Und selbst der lesbische Kuss am Ende wurde in Singapur rausgeschnitten, um durch ein höheres Age Rating keine finanziellen Einbußen hinzunehmen. Schade, denn gerade in Singapur, wo es Homosexuelle leider immer noch sehr schwer haben, wäre ein natürlich eingeflochtenes politisches Statement sogar mal angebracht gewesen. Aber wie jeder Social Justice Warrior, der behaglich vor seinem PC sitzt und sich verbal als moralisch erhaben hervortut, aber vermutlich sofort einknickt, wenn es mal ungemütlich wird, so zeigt auch Disney hier, dass Representation und Diversity eigentlich doch nicht so wichtig sind, wenn es um Kohle geht. Armselig.

Es gab noch jede Menge andere Retcons und Workarounds, doch alles kulminiert in einem Bild, das ein Stinkefinger für Ruin Johnson und eine Abrissbirne für The Last Jedi ist:

Als Rey auf der Penner-Insel ihr Lichtschwert in die Flammen werfen will, taucht der Force Ghost von Luke auf, schnappt das Lichtschwert und sagt, dass man die Waffe eines Jedi (nicht über die Schulter wegwerfen), sondern mit RESPEKT behandeln sollte. So wie die Story eines Regisseurs, der den Vorgängerfilm gedreht hat.

Was ich noch an Rise of Skywalker gut fand

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Rey hatte fast sowas wie Charakterentwicklung, was sie gleich so viel menschlicher und sympathischer gemacht hat. Ihre heilige Mary Sue-nes musste sogar eine Niederlage gegen Kylo Ren hinnehmen (Nachdem sie den Jedi-Meister Luke in TLJ ja einfach wie einen alten Mann im Regen umwerfen konnte…). Unglaublich! Frauen sind vielleicht auch nur Menschen? Marvellous.

Poe und Fin fand ich auch gelungen. Natürlich hätte Fin noch etwas mehr Liebe und Entwicklung verdient, gerade in Hinsicht darauf, dass er ebenfalls force sensitive ist. Doch dazu hätte er vielleicht in LJ irgendwie sinnvoll vorkommen müssen. In RoS war ohnehin schon zu wenig Platz.

Der Mini-Mechaniker Babu Frick war geil. Klang auf Englisch total besoffen. War das in der deutschen Fassung auch so? Klar, war der nur für den niedlich-Faktor im Film, aber bei mir hat‘s funktioniert. Ich möchte, dass der bei mir wohnt und Kram fixt, den ich mit besoffenem Kopp geschrottet habe.

Auch schön, dass Rose Tico nicht viel Screen Time hatte. Im Gegenteil: Für einen vollkommen uninteressanten Nebencharakter eigentlich noch zu viel. Denn egal, wie die gestörten SJWs es auf Rassismus schieben wollen (hmmm, Lando Calrissian oder Fin sind auch POC, aber werden geliebt…), ein objektiv schlecht geschriebener Charakter ist und bleibt ein schlecht geschriebener Charakter. Sie war in LJ einfach nervig und uninteressant, was mir für die begabte und hübsche Kelly Marie Tran wirklich leid tut. Sie hätte Besseres verdient.

Der Humor war super. Der Jedi Mind Trick „Die Macht ist stark bei den geistig Schwachen“, war wie immer ein Brüller. Poes Shakern mit Zorii Bliss war auch geil. Genau wie die Sprüche von 3PO nach seinem Reboot.

Auch die Lichtschwertkämpfe konnten sich mal wieder sehen lassen. Vor der Kulisse der Tsunami-Wellen wirklich großes Kino.

Die Tonnen von Fanservice fand ich ebenfalls gut und nicht zu viel, wie viele bemängelt haben. Episode 9 soll ja einen würdigen Abschluss für drei ganze Trilogien, sprich 9 Filme, darstellen. Da darf für mich gerne noch mal eine Art Rückblick auf die Highlights von zig Jahren Skyalker Saga stattfinden.

Zu den hastigen Mini-Episoden im ersten Teil des Films: Man könnte diese teilweise amateurhaft geschriebene Ansammlung halbgarer und on the fly entwickelter Ideen natürlich einfach als Fanfiction eines Kindes mit ADHS sehen. Und vermutlich ist es das auch. Für mich jedoch ist Rise of Skywalker eine Art Guilty Pleasure, die sich wie das erste D&D-Adventure eines Anfänger-Spielleiters anfühlt: Jede Menge kleiner Quests reihen sich aneinander, nichts ergibt so wirklich Sinn, aber es hat trotzdem irgendwie Charme. Von der Sandschlange, über die fliegenden Stormtrooper bis hin zum Kiffer-Festival mit Lando waren das alles wohl portionierte und spaßige Star Wars-Häppchen. Ich kann mich kaum noch an alles erinnern. Ich weiß nur noch, dass ich Spaß hatte.

The Rise of Skywalker als Abschluss einer 9 Filme-Odyssee

So rückblickend würde ich den Filmen der neuen Disney-Trilogie folgende Stempel aufdrücken:

The Force Awakens: 8 von 10

The Last Jedi: 3 von 10

The Rise of Skywalker: 7 von 10

Tja schade, langfristig wird die Disney-Trilogie, deren größte Leistung darin bestand, die besten Story-Elemente von George Lucas zu kopieren, durch den sinnlosen Bauchschuss von Ruin Johnson in Vergessenheit geraten. Auch wenn wir uns Episode 7 und 9 wegen der optischen Unterhaltungswerte noch gelegentlich anschauen, werden die Abenteuer von Rey, Fin und Poe nie wirklich in Balladen besungen werden. Dafür ist das Story Telling von Disney in dieser Trilogie ohne zusammenhängendes Drehbuch einfach zu flach, verworren und zu sehr durch Egomanie und politische Agenda verunstaltet. Die Themen in Episode 8, dem Herzstück der neuen Trilogie, sind so sehr auf infantile Ängste und kleingeistigen Groll fokussiert, dass sie das aus den Augen verlieren, was Star Wars eigentlich ausmacht:

Eine Flucht vor all diesen Sachen.

In eine Galaxy far far away.

Über Thilo (1817 Artikel)
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3 Kommentare zu Rise of Skywalker ist Disneys Entschuldigung für The Last Jedi

  1. (Sorry, wird jetzt lang, weil ich mir den ganzen gesammelten Frust von der Seele schreibe. Außerdem natürlich: SPOILER!)

    Ich kann dem Ganzen Fan-Service und Mittelfinger an R. Johnson leider nicht viel abgewinnen. Klar, Ep.8 hat die Storyline ruiniert und da kann Ep.9 als eigenständiger Film erst einmal nichts dafür. Aber wenn der Karren nun einmal in den Dreck gefahren ist, dann wird es nicht besser, bloß weil man den Fahrer wechselt. Die Versuche ihn wieder aus dem Dreck zu fahren werden dadurch nicht ansehnlicher und der Schlamm bleibt auch dann an den Reifen kleben, falls es mehr oder weniger gelingt. Das ist der große „Verdienst“ von Ep.8, dass er die Storyline „bricht“ und sie sich nicht mehr kitten ließ. Ich stimme Dir zu, dass darin ein wesentlicher Grund liegt, dass die neuen Helden uns nicht mit der von Star Wars gewohnten emotionalen Bindung im Gedächtnis bleiben werden. Allerdings hat Disney auch abseits von R. Johnson seinen Teil dazu beigetragen, dass es so kam.

    Für mich fängt es schon mit der Entscheidung an, die Original-Triologie zu recyclen. Die Storyline für die letzten 3 Teile hätte so schön sein können: Ep 1-3 zeigt, wie die alte Republik sich an Intrigen aufreibt und selbst zerlegt. Ep 4-6 zeigt wie das Imperium auf dem Höhepunkt seiner Macht steht und wie die Rebellen ihm erfolgreich die Stirn bieten. Ep 7-9 hätte dann der Kampf um die Errichtung der neuen Republik sein können. Eventuell sogar mit nach-und-nach umgedrehten Rollen, in denen am Ende die neue Republik mit großen, waffenstarrenden Raumflotten die letzten Reste des Imperiums jagt, die aber durch irgendeinen diabolischen Plan noch die Chance haben die Sache wieder zu drehen. In etwa, wie in den letzten beiden (genialen) Mandalorian Episoden: Das Empire als abgeratzte Bande in schmutzigen Uniformen, zersplittert in einzelne Fraktionen, die irgendwelchen obskuren Warlords dienen. Das hätte ich geil gefunden. Aber ich fand auch schon immer das große Ganze, also den „Politik/Senat/Handelskonflikt etc.-Handlungsbogen“ in Star Wars interessanter als manch Anderer. Anyway, was bekommen wir stattdessen von Disney? Ein „was nicht passt wird passend gemacht“-Remake von Episode 4-6, inklusive Todesstern (nur größer), Hoth (nur mit Salz anstatt Schnee) und dem finalen Duell mit dem Blitzschleudernden Imperator während draußen die Raumschiff-Schlacht tobt, sogar inklusive „überraschendem“ (Duh!) Seitenwechsel des bösen Sith-Lords. Dass Disney Star Wars content teilweise gut hinbekommt zeigen doch Rogue One und Mandalorian. Selbst, wenn man sich das für einen solchen Blockbuster nicht getraut hätte, dann hätte es genügend Material aus Legends oder dem EU gegeben, das sich verwerten hätte lassen.

    Was mich aber beim gucken fast noch mehr ankotzt, als die „Faulheit“, die Disney bei der Storyline gezeigt hat, ist die Ignoranz, die sie gegenüber etablierten Mechanismen und Gegebenheiten (um das Wort „Physik“ zu vermeiden) des Star Wars Universums an den Tag gelegt haben. Auf einmal kann man (oder besser Poe) Hyperspace-Berechnungen scheinbar innerhalb von Sekunden im Kopf durchführen, während ihm Tie Fighter durch den Hyperspace folgen (WTF?). Die Galaxie lässt sich scheinbar in Minuten durchqueren, was sich darin niederschlägt, dass die Handlung der Filme unnötigerweise auf Stunden kondensiert wird. Nachrichten werden mitlerweile scheinbar mühelos und in Echtzeit in alle Ecken der Galaxie übertragen. Eine ganze Flotille von allen möglichen Rassen aus abgelegensten Systemen zu irgendeinem noch abgelegeneren, geheimen System zu mobilisieren dauert gefühlt 2 Minuten (weil Rey ihren Anflug ja auf galaktischem Facebook live-streamed). Aber wenn es in den Plot passt, dann muss R2D2 eine Mitteilung per Kabel aufgespielt werden. Generell werden die Fähigkeiten der Haupt-Charaktere im Laufe der Filme komplett überhöht, was die Handlung noch lächerlicher erscheinen lässt als ohnehin schon: „Lasst uns zu dritt (oder war es zu viert?) einen Star Destroyer entern! und alle so: Klasse Idee!!“

    Mir ist schon klar, dass es einige Fans gibt, die viele der o.g. Punkte gut „weg-erklären“ können. Ich nehme auch nicht in Anspruch alle Comics oder Serien zu kennen, in denen evtl. die Brücken geschlagen werden, die mir für mein Verständnis der neuen Triologie fehlen. Für mich hatte das „alte“ Star Wars immer die richtige Balance aus Bodenständigkeit und Fantasie: Jedi’s und Sith waren zwar mächtig, aber lange nicht allmächtig. Es gab mystische Momente, aber die haben nie überhand genommen. Kräfteverhältnisse in Raumschlachten und Bodenkämpfen schienen glaubhaft und das Verhalten der Charaktere war diesen angemessen. Diese Balance ist Disney (nicht erst seit R. Johnson) abhanden gekommen, indem sie ihre Charaktere völlig zerstörte Schiffe auf abgeschiedenen Planeten innerhalb von Stunden wieder flugtüchtig machen lassen oder Jedis zeigen, die größere Raumschiffe im Flug mit der Macht festhalten, und Sith-Lords die völlig unbeeindruckt von übelsten Crash’s aus Ihren Tie-Fighters steigen, und Piloten, die im Alleingang mit einem X-Wing ganze Star Destroyer ausschalten, und Rebellen, die mit irgendwelchen „Pferden“ auf einem Sternenzerstörer entlangreiten, Leia wie eine Space-Hexe durch den Weltraum fliegen lassen usw…:
    Es mag zwar nachvollziehbare Erklärungen dafür geben, aber für mich hat das dann nichts mehr mit Star Wars, wie ich es kenne und mochte zu tun. Erklärbar wäre es auch gewesen, wenn Rey in einen Topf Zaubertrank gefallen wäre und dann alle inklusive dem Imperator vermöbelt. Ist dann aber eben Asterix und nicht mehr Star Wars.

    Rückblickend fällt es echt schwer, die vielen kleinen Dinge zu sortieren, die am Ende dazu beitragen, dass die neue Triologie für mich einfach nicht die Erwartungen erfüllt. Evtl. ist das nahezu Computerspiel-mäßige Gehetze „Godlike“-überhöhter Charactere von einem möglichst fantastischen Plotpoint zum nächsten auch einfach Ausdruck unserer Zeit von 160-Zeichen Kommunikation, Power-Perfektionismus a’la Instagram Influencertum und anderer solcher Sachen, mit denen ich wenig anfangen kann. Evtl. gefällt genau das der Zielgruppe von Heute und Ich bin ein aus der Zeit gefallener Dinosaurier. Naja, ich bin Disney jedenfalls nicht nur böse. Rogue One wird auf absehbare Zeit mein Lieblings Star Wars Film bleiben (ja, einschließlich der Original-Triologie, obwohl der Vergleich natürlich hinkt, da R1 so viel seiner „Macht“ aus Ep 4-6 zieht). Und The Baby-Yoda (Ähm…The Mandalorian meine ich natürlich 🙂 ) ist auch sehr gelungen. Ohne Disney hätte es die beiden auch nicht gegeben. Von daher vergesse ich am besten einfach, dass es Ep 7-9 je gegeben hat und erfreue mich weiterhin am Star Wars, wie ich es kenne und liebe. Evtl. beglückt mich Disney dann immer mal mit einem passenden Titel von jemandem, der was von Star Wars versteht.

    I have spoken!

    • ,WOW! DANKE für diesen mega ausführlichen Kommentar. Und dem ist so auch nichts hinzuzufügen. Hätte genauso von mir sein können. Ich gebe Dir in allem 100%ig recht. Besonders. was die Teile von früher anbelangt: „das „alte“ Star Wars immer die richtige Balance aus Bodenständigkeit und Fantasie“. Deswegen fühlen sich R1 und Mando auch mehr wie Star Wars an. Weil dabei auf Grundregeln des Universums wert gelegt wurde. Disney hatte bei der neuen Trilogie einfach keinen Plan. Kathleen Kennedy mit ihrer „The Force is female“ (nein, die Macht hat kein Geschlecht…) Agenda ans Steuer zu lassen war wohl der größte Fehler des Konzerns bisher. Und dann zerstört sie auch noch willentlich alle guten Scripte und macht lieber alles neu. Nach Episode 7 war ich noch so im SW-Rausch, dass ich trotz der dreisten Kopie von New Hope noch Hoffnung hatte. Bei 8 musste ja nur endlich mal was Neues kommen. Das hat Ruin Johnson wohl falsch verstanden. Alles neu und Erwartungen unterwandern ist nicht automatisch gut; vor allem nicht, wenn dabei etablierte Regeln und Charaktere des Universums mit Füßen getreten werden… dabei hätte die Story eines beliebigen SW-Videospiels schon völlig ausgreicht. Da gibt es SO GEILE Storys und Szenen.

      SEUFZ! Naja, Episode 9 kann ich für mich als Guilty Pleasure verbuchen und wegen der vielen witzigen Einzelszenen auch wieder anschauen. Aber insgesamt ist die neue Trilogie, da hast du leider völlig recht, eher für die Tonne und kann getrost vergessen werden…

  2. Im grossen und ganzen stimme ich mit dir überein Thilo.
    Auch wenn ich Tros für den besten unter Disney halte.Der Endkampf,war mega,auch der Kampf Kylo vs Rey auf dem Meer.Und dann die ganzen Jedi die zu Rey sprechen.und Luke als Force Ghost als er sagt
    Ein Lichtschwert behandelt man mit Respekt.Und das erste Mal im Film auf einer Sith Welt.
    Und Zorni Bliss,und C3-PO und U s,bester Teil der ST und bester unter Disney.Nach wie vor kommt aber nix an 1-6 ran

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