Venom 2 – Bromance mit dem inneren Dämon

© Sony

7 von 10 fatalen Bisswunden

Mit Venom 2, bzw. Venom: Let There Be Carnage, tischt uns Andy Serkis (ja, DER Andy Serkis, ich war auch überrascht) eine Body Horror Action Komödie auf, die genauso unterhaltsam ist, wie die erste.

Und diesmal scheinen auch die sich gegenseitig am Popo schnüffelnden Möchtegern-Filmkritiker von Rotten Tomatoes den Unterhaltungswert erkannt zu haben.

Haha, ernsthaft, manchmal muss ich über meine eigenen Formulierungen von vor 3 Jahren schmunzeln. Im Artikel zu Venom 1 kamen die erlauchten Profi-Journalisten nicht so gut bei mir weg…

Aber, wie gesagt, sie scheinen sich einer etwas weniger steifen Ansicht besonnen zu haben:

Oder sagt diese Diskrepanz in der Bewertung zweier so ähnlicher Filme etwas über Lust und Laune der blaublütigen Elite aus?

Who cares…

Ich bin mittlerweile zu dem Schluss gelangt, dass man zwischen Kritiker- und Publikumsmeinung stets einen Mittelwert bilden sollte. Denn letztlich haben natürlich bei Parteien gleichermaßen Recht und Unrecht. Alles eine Frage der Perspektive.

Aber zum Film: Venom: Let there be carnage

Mit 97 Minuten Spieldauer gibt sich Serkis erstaunlich wenig Zeit Venom 2 mit einer ausgefeilten Story zu untermauern.

Das ist aber nicht weiter schlimm, denn es gibt einfach keine.

Es sei denn, ihr möchtet die Tatsache, dass Venom versehentlich einen weiteren Killersymbionten erschafft und diesen dann töten muss, als ausreichende Story durchgehen lassen.

Immerhin lässt sich so besser auf das Wesentliche konzentrieren: Bromance-Humor zwischen Eddie Brock und seinem Langzeit-“Passagier” Venom, sowie die Sinne überfordernde Gewalt zwischen zwei cthulhuiden Alien-Parasiten.

“Shit, ein roter, lass abhauen…” © Sony

Gerade auf den humorvollen Aspekt wird diesmal vermehrt wert gelegt und das ist auch gut so. Denn die Zwiegespräche zwischen Eddie und Venom sind – auch, wenn sie sich zwischenzeitlich etwas abnutzen – die meiste Zeit wirklich zum Gackern und tragen den Film über sämtliche Löcher in der Handlung hinweg.

Natürlich geht diese “Bromance mit dem inneren Dämon” auf Kosten der düsteren Seite des Films, die Venom 1 durchaus noch zu bieten hatte. Mit all dem Humor hält Venom 2 für mich damit Einzug in das Genre der sich selbst nicht allzu ernstnehmenden Halloween-Horror-Spaßfilme, die gerade echt gut zur Jahreszeit passen.

Aber hey, besser als im Kino nicht gelacht und nur düster sein Popcorn gemümmelt zu haben…

Außerdem besitzt dieser Fokus auf das unfreiwillige “Zusammenleben” von Mensch und Monster durchaus seine tieferen, philosophischen Lehren.

Aus eigener schmerzlicher Erfahrung kann ich sagen, dass es durchaus Sinn macht, sich mit den eigenen Dämonen auseinanderzusetzen und zu lernen mit ihnen zu leben – vielleicht sogar mit ihnen zu lachen und zu tanzen, aber das ist Profi-Territorium.

Kleiner Spoiler ab hier!

Denn gerade als er mal kurz von Venom getrennt ist, merkt Eddie plötzlich, wie sehr seine dunkle Seite (in diesem Fall personifiziert durch Venom) ein Teil von ihm ist und ihn sogar zu etwas Besonderem macht. Ohne ihn fühlt er sich plötzlich nicht mehr vollständig.

Ich finde, das ist eine sehr schöne Metapher für das Päckchen, das wir doch alle in irgendeiner Form mit uns rumschleppen müssen. Ja, es mag manchmal lästig, zeitweise vielleicht sogar unerträglich sein. Aber macht es uns nicht gleichzeitig zu der unverwechselbaren Person, die wir sind? Sollten wir nicht lernen den Schatten als notwendiges Übel unseren inneren Sonne zu akzeptieren?

Wie immer, meine Lieben: Alles eine Frage der Perspektive.

Aber viel weiter möchte ich jetzt nicht in eine Therapiestunde abdriften.

Mir hat es sehr viel Spaß gemacht das Aufeinandertreffen von Tom Hardy (Eddie Brock/Venom) und dem wunderbaren Woody Harrelson (Cletus Kasady/Carnage) zu beobachten – egal ob in menschlicher oder Monsterform.

Die Zuwendung zu Spiderman und seinem Universum war ebenfalls überfällig und erfüllt mich mit großer Vorfreude. Die Abspannszene ist Pflicht. Sitzenbleiben.

Über Thilo (1121 Artikel)
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