Zack Snyder’s Army of the Dead ist FUN

© Netflix

8 von 10 Elvis-Zombies

Ich weiß nicht, ob es nur an den paar Guinness gelegen hat, die ich mir während des Films in den Kopf gestellt habe, aber mir hat Zack Snyder’s Army of the Dead echt gut gefallen.

Da ich sonst nicht der größte Zombiefilm-Fan bin, war ich selbst ein wenig davon überrascht.

Für mich funktionieren Zombiefilme meist dann am besten, wenn sie sich selbst nicht allzu ernst nehmen, wie Braindead oder Zombieland.

Army of the Dead möchte zwar schon ernst genommen werden, driftet durch die Charaktere und deren Eigenheiten jedoch immer mal wieder in humorvolle Gefilde ab und sorgt so für einen angenehmen Kontrast.

Dadurch war Army of the Dead für mich eine gelungene Melange, die einfach sehr gut unterhalten hat und sowohl durch Cast, CGI und Musik überzeugen konnte.

Besonders angetan war ich von dem Sandbox-artigen Setting des von Zombies regierten Endzeit-Las Vegas, das so auch eine perfekte Kulisse für ein Word of Darkness-Rollenspiel hätte sein können:

Um die mit Container-Wänden eingepferchte Stadt hat sich eine ganz eigene Welt gebildet. Es herrscht die Angst von den Pandemie-Cops getestet, für einen Zombie-Anwärter befunden und kaltblütig erschossen zu werden. Durchgeknallte Youtuber machen Videos davon, wie sie Untote abknallen. Und wer die richtigen Kontakte hat, kann unter akuter Lebensgefahr in die Stadt einbrechen und versuchen ein paar der Las Vegas-Schätze zu bergen.

Und da setzt der Plot von Army of the Dead ein

Ein japanischer Business-Mogul engagiert eine Truppe von Spezialisten, die steuerfreie 200 Millionen Dollar aus einem Safe holen sollen, bevor die Stadt durch einen Atomschlag ausradiert wird.

Dazu rekrutiert „Kante (Dave) Bautista“ eine herrlich schräge Truppe von Lebensmüden, die mich ebenfalls sehr an die verschiedenen Klassen oder Rollen einer Pen & Paper-Truppe erinnert haben: Von der beinharten „Kojotin“, die sowas wie die Rangerin von Endzeit-Las Vegas ist, über den Krieger mit seiner geliebten Kreissäge, bis hin zum nerdigen Kanonenfutter und Safe-Öffner Matthias Schweighöfer, der die Rolle des kauzigen „German“ perfekt verkörpert.

Schnell, agil und nicht vollkommen verblödet: Die Alpha-Zombies! © Netflix

Ebenfalls erfrischend fand ich die Darstellung der Zombies.

Denn es gilt für die Truppe nicht nur Horden von klassischen „Shamblern“ aus dem Weg zu räumen. Durch alle vom Alpha-Zombie gebissenen Menschen hat sich eine Art intelligenter Zombie entwickelt, der nicht mal eben weggeschubst oder durch einen Kopfschuss sicher beseitigt werden kann.

Diese Art des „weiterentwickelten“ Zombies finde ich extrem spannend. Schon Vampire the Masquerade-Erfinder Mark Rheinhagen hatte mit I AM ZOMBIE versucht eine geupdatete Version des Zombies salonfähig zu machen. Doch ich denke nach wie vor, dass sich diese Superzombies besser als formidable Gegner, denn als Spielercharaktere eines Rollenspiels eignen.

Ansonsten hat mir Army of the Dead auch dadurch so gut gefallen, dass ich Zack Snyders Inspirationsquellen erkannt und für geil befunden habe. Die vielen Parallelen zu Alienfilmen auf der einen Seite, wie die Nutzung von starken Bildern aus der griechischen Mythologie habe ich sehr genossen. Soll aber hier nicht gespoilert werden.

Und natürlich durfte in Army of the Dead auch der ein oder andere Hieb gegen Politik und Zeitgeist nicht fehlen. Manchmal subtil, oder auch mal wie ein Schlag ins Gesicht:

Zombies in Las Vergas als Metapher für die „Zombies“, die von morgens bis abends vor einarmigen Banditen oder Spieltischen sitzen und ihr hohles, untotes Dasein fristen, anyone? Die ultracoole Hubschrauberpilotin scheint es gleich am Anfang des Films zu bestätigen: „Atombombe? Finde ich gut. Die hätten sie schon in den 90ern auf Las Vegas werfen sollen!“

Also, klar: Natürlich hatte Army of the Dead mit einer Laufzeit von zweieinhalb Stunden hier und da mal eine Länge oder war vorhersehbar in der Handlung. Doch für mich war dies ein süffiger Zombie-Splatter-Spaß – unverkennbar aus der Feder von Zack Snyder – mit gelungenen Charakteren und schönen Bildern eines zerstörten Las Vegas.

Von mir gibt’s den verrottenden Daumen nach oben. Wer Netflix abonniert, kommt um die Las Vegas-Zombies eigentlich nicht herum. Gut, Kopfschüsse Galore, GORE und drastische Reduzierung der Akteure im Verlauf des Films sollte man natürlich mögen… 😉

Über Thilo (1103 Artikel)
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