Alita: Battle Angel hat bei mir die richtigen Drähte zum Glühen gebracht

Shit is about to hit the fan…  © Twentieth Century Fox

8 von 10 Motorball Fans

Mein Erregungsmodul surrt nur so vor Freude, wenn ich an Cyborgs wie den Sechs-Millionen-Dollar-Mann, Darth Vader oder Robocop denke.

Den weichen menschlichen Körper mit kalten Maschinenteilen zu modifizieren hat etwas gleichermaßen Morbides und Faszinierendes. Cyborgs, die in Science Fiction-Filmen durch ihre künstlichen Körper unglaublich stark, schnell und widerstandsfähig sein können, sind das perfekte „Material“ für actiongeladene Unterhaltung. Allerdings muss ich dabei auch an Shadowrun und seine Spielmechanik für verlorene Menschlichkeit denken.

Wieviel darf oder kann man vom menschlichen Körper durch Maschinenteile substituieren, ohne dass der Betreffende depressiv und roboterhaft in seinem Verhalten wird? Reicht es da, wie bei einigen der Cyborgs von Alita: Battle Angel, gerade mal eine dünne Scheibe Gesicht übrig zu lassen?

Steckt viel Geld in sein Gesicht: Zapan  © Twentieth Century Fox

Ich sage es einfach gleich vorweg: Ich mag Alita: Battle Angel trotz seiner offensichtlichen Schwächen. Es muss diese Szene gleich am Anfang gewesen sein, mit der sich Alita in mein Herz gemogelt hat: Wie das gerade wieder zum Leben erwachte Cyborg-Mädchen ihres verzierten Steampunk-Körpers gewahr wird und ihre meisterhaft gefertigten Hände anstarrt; scheinbar sinnierend „wer bin ich und was soll das alles hier?“ So wie ich es auch jeden Morgen tue…

Trotz ihrer großen Augen (oder sogar gerade deswegen?) ist Alita von Anfang an eine Sympathieträgerin. Sie ist schonungslos ehrlich und geht mit ihren Gefühlen stets „all in“. Von Rosa Salazar gespielt und dann komplett digitalisiert, hatte ich trotzdem nur selten das Gefühl einen wandelnden Special Effekt vor Augen zu haben. Die herrlich widersprüchliche Mischung aus weiblichem Pinocchio und tödlichem Terminator hat mich von Anfang bis Ende in ihren Bann gezogen.

Den Arzt kaufe ich ihm mehr ab als den Hunter Killer.  © Twentieth Century Fox

Alle anderen Charaktere waren ebenfalls „anwesend“, aber ohne mich durch außergewöhnliche Schauspielkunst von der Turbine zu stoßen. Überraschender Weise war besonders Christoph Waltz für mich sehr austauschbar. Vielleicht wurde er durch seine Rolle einfach nicht gefordert? Andererseits halte ich Herrn Walz auch nicht für den facettenreichsten Schauspieler auf diesem Planeten, weil er in den meisten Rollen einfach sich selbst spielt. Als Ausnahme fiele mir da gerade nur Hans Landa aus Inglorious Basterds ein.

Leider hat der Film auch ein paar Probleme mit Tempo und Spannungsbogen, über die ich jedoch bei dem gelungenen World Building und der grandiosen Cyberpunk-Atmosphäre gerne hinweg sehe. Ich habe mich selbst in den ruhigeren Momenten des Films nie gelangweilt und fand mich durchweg verzückt von einer herrlich exotischen Manga-Vision.

Laut meines Kumpels und Manga-Experten, der mit mir im Kino saß, „wurden alle Elemente des Mangas in einen Topf geworfen, wild umgerührt und irgendwie neu zusammengesetzt.“ Doch im Endeffekt hat es für ihn trotzdem alles zusammen harmoniert.

Vermutlich war es ein Vorteil, dass ich gar nicht erst den Vergleich hatte. So konnte ich auch weniger enttäuscht werden als bei Ghost in the Shell.

Letztlich lebt Alita: Battle Angel von Robert Rodriguez‘ grandioser Bildsprache, den herrlich haarsträubenden Kämpfen und seiner niedlich-brutalen Protagonistin. Und anders als bei Ghost in the Shell, gab es durchaus emotionale Momente, die zwischen den brachialen Kampfszenen etwas Tiefe brachten. Das gelungene Setting mit der letzten Stadt der Erde (nach dem „großen Krieg“), der darüber schwebenden Stadt Zalem und der unweigerlichen Symbolik von Himmel und Hölle, haben für mich den Film als Einheit zusammengehalten wie Kleister.

Ob es da oben wirklich besser ist? © Twentieth Century Fox

Zu viel möchte ich von der ohnehin schon recht simplen Story auch gar nicht spoilern. Ich denke, der Film, der auf RottenTomatoes gerade auf der Kante von „fresh“ und „rotten“ balanciert, hat mindestens 7 Punkte für Optik, Action und Atmosphäre verdient. Aber ich gebe dem Kampfengel aus der Motorball-Arena trotzdem 8 Punkte, weil sie mir einfach nicht aus dem Kopf geht. Diese verdammten Augen!

Über Thilo (1896 Artikel)
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