Filmkritik: Iron Man 3 – Leute machen Kleider

iron man 3

8 von 10 Blechbüchsen

Genau, und eben nicht umgekehrt. Der neue Iron Man 3 zeigt auf unterhaltsame und eindrucksvolle Weise, dass Kleider eben nicht immer Leute machen. Im Gegenteil: Jeder überlegene Superkampfanzug ist nur so gut wie der Mann, der drin steckt (und ihn erfunden hat).

Es wäre ein Leichtes diesem Film 10 von 10 Punkten zu geben, weil er einfach verdammt gut ist. Punkt. Vor zehn oder mehr Jahren, als derartig hochgradige Special Effects vielleicht noch nicht ganz so selbstverständlich waren und der Markt der Superheldenfilme noch nicht ganz so saturiert war, hätte man so einem Blockbuster kritiklos volle Punktzahl gegeben. Doch wenn ein Film wie The Avengers die Messlatte für Unterhaltungskino und Superheldenfilme so verdammt hoch gelegt hat und jedes Jahr mehr Marvel und DC Filme ins Kino kommen, wird selbst der größte Vollblutfan des Genres wählerischer und kommt um Vergleiche nicht herum.

– Ab hier SPOILER –

IRON MAN 3

Nach einem schwächeren 2. Teil der Iron Man-Serie (den ich aber trotzdem noch gut fand), bildet dieser Teil einen würdigen (vorläufigen?) Abschluss der Trilogie. Wir dürfen uns wieder an einem super schlagfertigen Tony Stark erfreuen – diesmal allerdings kombiniert mit allerhand Slapstick -, bekommen noch bessere Iron Man-Roboter-Verwandlungs-Action als je zuvor und durch den Extremis „Virus“ sorgen unheimliche Gegner für genug Keilereien.

Der Film beginnt sehr düster mit den TV-Drohungen und Terrorakten des Mandarin und einem psychisch lädiertem Tony Stark, der seinen Kamikaze-Flug aus der Avengers Storyline noch nicht ganz verarbeitet hat. Doch mit zunehmender Spieldauer des Films und nachdem Stark sich wie ein biblischer Hiob aus Zerstörung und Niederlage wieder hoch kämpfen musste, wird der Film immer weniger dramatisch und düster. Im Gegenteil: Immer mehr ulkige Charakterzüge treten bei einigen Protagonisten zu Tage und eingestreute Slapstick Szenen mit Iron Man setzen der ganzen Action zuweilen einen Clowshut auf. Ich bin mir nicht sicher, ob ein durchgehendes Atmosphäre-Schema nicht besser gewesen wäre. Andererseits ist dies ein Iron Man-Film, und das bedeutet Tony Stark, Robert D. Junior und Witzischkeit.

Neben einem gewohnt brillant spielenden Robert D. Junior, erfreuen uns Guy Pearce als herrlich wahnsinniger Erzbösewicht Aldrich Killian und selbst Gwyneth Paltrow darf diesmal ihre Rolle als reine Sekretärin und Bettgespielin von Stark hinter sich lassen und im wahrsten Sinne des Wortes über sich hinauswachsen.

Doch wenn eigentlich alles ganz toll war, wieso dann nur 8 von 10 Punkten für den Film?

Wie anfangs bereits erwähnt, kann, meiner erlauchten Meinung nach, nun kein Film des Genres mehr 10 Punkte bekommen, so lange er nicht mindestens genauso gut ist wie The Avengers. Darum schon mal 9 von 10 … Für dieses „Messlatten-Problem“ hat Jacksons Herr der Ringe ja auch im Classic Fantasy-Genre gesorgt.

Außerdem war ich ein wenig vom Finale, dem „Boss Fight“ enttäuscht. Obwohl es grandios in Szene gesetzt ist und wirklich nur so die Fetzen fliegen, hat mir das „gewisse Etwas“ gefehlt. Die ganzen ferngesteuerten Iron Man Suits haben ein wenig von der Wichtigkeit und Prägnanz des Einzelhelden „Iron Man“ abgelenkt, waren teilweise sehr hektisch in Szene gesetzt und haben mir den 1 on 1 Showdown zwischen Gut und Böse ein wenig verwässert.

Doch all das ist natürlich nur Meckern auf Höchstem Niveau. Iron Man 3 ist sicherlich einer der besten Superheldenfilme zurzeit und ein MUST SEE für jeden Comicfilmfan. Nun bleibt abzuwarten, ob DC mit dem Man of Steel hier noch einen drauf setzen kann.

Über Thilo (1143 Artikel)
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