Avengers Endgame: Epischer und tränenreicher Fan Service

Der Beweis, dass Tony Stark einen Kopf hat… © Marvel Studios

10 von 10 Lebowskis

Avengers Endgame ist ein wirklich würdiger und befriedigender Abschluss für die letzten 10 Jahre Marvel-Universum. Wer den vollen Impact spüren will, zieht sich vorher noch mal in einem Filmmarathon alle Marvel-Filme rein, beginnend mit Iron Man von 2008. Oder zumindest alle Avengers-Filme, gekrönt von Infinity War am Vorabend zu Endgame. So habe ich es gemacht und die Wucht von Endgame hat mich getroffen, als hätte Thanos einen Mond auf mich geworfen.

Apropos Mond: Tatsächlich war Avengers Inifinity War für mich runder und damit geringfügig besser. Das liegt schlicht und ergreifend daran, dass bei Endgame alle Fäden zusammenlaufen und die Russos allen liebgewonnenen Charakteren einen vorläufig würdigen Abschluss ihrer Geschichte spendieren mussten. Keine leichte Aufgabe. Das hat sich ein wenig so angefühlt wie damals bei The Return of the King, deren viele zelebrierte Enden insbesondere Hardcore HdR-Fans zu schätzen wussten. Nur dass wir bei Endgame die losen Fäden eben am Anfang des Films haben und nicht am Ende.

Natürlich muss im ersten Drittel des Films die Trauer und Verzweiflung über die Niederlage gegen Thanos etwas ausgekostet werden, um das nötige emotionale Momentum für das epische Finale aufzubauen. Was jedoch beim ersten Anschauen noch emotional mitreißt, wird beim dritten oder vierten Durchgang auf Bluray vermutlich „vorgespult“ werden.

Ansonsten kann über dieses Monster von Film kaum etwas gesagt werden, ohne zu spoilern. In gewisser Weise ist Avengers Endgame gar kein Film, sondern ein zum Leben erwachter Comic. Gerade der episodenhafte Mittelteil ist weniger Story, als ein schillernder Berg aus Fan Service. Nostalgische Reminiszenzen an vergangene Marvelfilme, popkulturelle Zitate und die treffsicheren Marvel-Gags lassen dabei jedoch übersehen, dass der Film mitunter wie ein defekter Rennwagen beschleunigt.

Und wenn wir uns dann nach diesem lange herausgezögerten „Super-Fan-Orgasmus“ plötzlich im unausweichlichen CGI-Finale des nackten Wahnsinns befinden, dann wird der Bombast beinahe anstrengend. So viel, was da gesehen und am Rande entdeckt werden will. Beinahe etwas zu viel des Guten. Ich bin gespannt, was ich alles übersehen habe, wenn ich mir den Film am kommenden Freitag nochmal im O-Ton anschaue.

Aber würde ich dem Film wegen seiner leichten Schwächen und Probleme einen Punkt abziehen? Auf keinen Fall. Ein Spektakel, das mich trotz 3h Laufzeit nie langweilt und mich zum Lachen und Weinen bringen kann, verdient einfach emotionale 10 von 10 Punkten.

Um Junior bei der Oma parken zu können, waren wir am Tag der Premiere bereits um 15.30 Uhr im Kino. Doch meine Befürchtung, dass mich zu dieser Uhrzeit 12-Jährige mit Lachen und Gefasel stören könnten, hat sich nicht bewahrheitet. Dafür waren die Kids die meiste Zeit zu sehr mit Raunen und Schluchzen beschäftigt. Und ob sie sonstigen Mist veranstaltet haben, konnte ich durch meine eigenen Tränen ohnehin nicht sehen. Alles richtig gemacht, Marvel. Danke dafür.

Falls jemand, der Endgame noch nicht gesehen hat, den Salat tatsächlich bis hier hin gelesen hat, möchte ich noch diesen Rat geben: Rennt auf Klo oder in die Arme eurer Liebsten, sobald der Film zu Ende ist. Es gibt KEINE Abspannszene. Nicht eine. Avengers Endgame ist tatsächlich ein vorläufiges Ende des etablierten Marvel-Universums. Ich wünschte, mir hätte jemand diesen Tipp gegeben, denn nach insgesamt 4 Stunden sitzen (Werbung, 100 Trailer und 3h Film) möchte man seinen Pobacken doch gerne etwas Erleichterung verschaffen.

Wer den Film tatsächlich noch nicht gesehen hat, kann dann jetzt bitte abschwirren. Denn jetzt kommen noch ein paar…

SPOILER-schwangere Gedanken zu Avengers Endgame

Was war zwischen den beiden in Budapest??? © Marvel Studios

GEH WEG!

Ok, du hast ihn wirklich schon gesehen? Dann kann ich ja loslegen.

Die Zeitreisen

Immer ein wackeliges Konzept, das sich fast unweigerlich in Paradoxa verfranzen muss. Da hilft es auch nicht, wenn die Avengers sich höchstpersönlich von allen vorangegangenen Zeitreisefilmen wie Back to the Future distanzieren und behaupten es viel besser zu machen. Aber wisst ihr was? Quantenebene! Geht schon irgendwie. Mir reicht das bei so einem Film. Da will ich gar nicht zu viel über alle Implikationen der Zeitsprünge nachdenken. Dass Tony Stark über Nacht eine perfekte Zeitmaschine erfindet (ich hau mal einen Möbius Strip rein… BÄM es geht!) oder plötzlich seinen eigenen Infinity Gauntlet herstellen kann, akzeptieren wir ja auch ohne überkritisch zu sein.

Der Overkill

Die Haupt-Kämpfe waren in Infinity War irgendwie pointierter und hatten geilere Ideen. Multipler Dr. Strange fesselt Thanos mit 100 glühenden Peitschen, Thanos wirft einen Mond auf Tony Stark etc. Der Endkampf in Endgame fühlte sich ein wenig so an, als hätte man die Showdowns von 10 Superheldenfilmen zusammengemixt und gleichzeitig ablaufen lassen. War beinahe schwer allem zu folgen und auch ein wenig Shaky Cam, wenn ich mich richtig entsinne. Aber episch war es natürlich trotzdem, als alle aufmarschierten und meine Gänsehaut hätte auf manchen Planeten Preise gewonnen.

Captain Marvel

Glücklicher Weise hat Captain Marvel keine nennenswerte Screen Time bekommen. Nach der eher mittelmäßigen Captain Marvel Origin Story (Audience Score auf RT: 56% rotten), mit einer unsympathischen Brie Larson in der Rolle einer allmächtigen Mary Sue ohne nennenswerte Charakterentwicklung, wäre auch alles andere ein echter Abturner gewesen. Doch glücklicher Weise wussten die Russos, dass sie diejenigen Charaktere in den Vordergrund stellen mussten, mit denen die Zuschauer über 10 Jahre durch dick und dünn gegangen sind. Hätte man Captain Marvel weniger als Feminismus-Vehikel und mehr als Superheldenfilm mit einer Frau in der Hauptrolle behandelt, hätte es auch anders aussehen können. Mit fehlerhaften Helden, die nachvollziehbare Schwächen haben, die sie überwinden müssen (danke für Thor mit Bierplauze und Panikattacken, so funny), können wir als Zuschauer einfach besser sympathisieren. Heldenreise und so, bewährtes Konzept.

Trotzdem waren die Auftritte der Powerfrau gut gemacht und Brie Larsons Mimik war auch geringfügig komplexer als in ihrem Solofilm. Story-technisch Sinn gemacht hat ihr Auftritt nur leider immer noch nicht. Da haben alle Erklärungsversuche nichts genützt. Als Thanos drohte die Hälfte allen Lebens auszulöschen war sie nicht da. Was war denn da bitte auf irgendeinem anderen Planeten, „der nicht die Avengers hatte“, wichtiger? Mit etwas Pech wäre sie beim Schnipp auch einfach verschwunden. Ziemlich fahrlässig. Und überhaupt fragt man sich, was sich Captain Marvel in den Lebenslauf schreiben darf, nachdem Thanos am Ende von Endgame klar gemacht hat, dass er von einem jahrelangen, siegreichen Feldzug zurück gekehrt ist, bei dem er stets die Hälfte der Bevölkerung GANZER Planeten getötet hat. Bei nicht EINEM konnte sie helfen? Ich glaube, die war in einem intergalaktischen Wohlfühl-Spa und hat den Mittelfinger gezeigt…

Ansonsten waren ihre Auftritte zwar völlig überflüssig, aber erträglich – Ungefähr so, als ob beim Sex das Telefon klingelt. Nervig, aber man konzentriert sich schnell wieder auf das Wesentliche. Haha. Insofern war ich wirklich erleichtert, dass die fliegende Atomexplosion auch ihre Probleme mit Thanos hatte (in den Comics kommt sie noch nicht mal an Thors Machtlevel ran) und ihm nicht den Rest gegeben hat. Stattdessen haben wir eine wunderschöne Rahmenhandlung mit Tony Stark, der einst alles mit seinen ersten Hammerschlägen in einer Höhle begann und nun das Universum rettet. Auch hier: Danke an die Russos, dass sie das Komplettwerk veredelt haben und nicht wegen politischer Agenda Wasser in den Wein gekippt haben. Apropos:

Politische Botschaften in Endgame

Hielten sich stark in Grenzen und waren mit Fingerspitzengefühl gemacht. Dem „One above All“ sei Dank. Natürlich war es etwas cringe, als plötzlich, wie zufällig, alle weiblichen Helden mit Captain Marvel aufmarschierten, ohne auch nur einen männlichen Helden dazwischen. Alles was derart künstlich konstruiert wird, ist einfach automatisch peinlich. Aber gleichzeitig war es auch schön zu sehen, wie viele geile Frauenhelden das MCU schon zu bieten hat und wie geil jede einzelne ist. Auch Pepper Pots im Iron Man-Suit fand ich richtig geil.

Und auch sonst waren die Botschaften subtil untergebracht und – was das Wichtigste ist und dieser Tage ja gerne schon mal hinten angestellt wird – es hat auch innerhalb der Story Sinn gemacht. Wenn ein dickbäuchiger Thor mit Panikattacken sein Zepter an Valkyrie abgibt, dann darf und soll man(n) da sicher zwischen den Zeilen lesen. Die Botschaft, dass Frauen genauso gut, wenn nicht besser, jede beliebige Führungsposition innehaben können, hat mir gut gefallen. Sollen Frauen doch Burnouts kriegen und mit 40 Jahren am Herzkasper krepieren. Hehe, Spaß. Ich fand es sinnig und gut.

Zu weiteren Gruppen: Weiß nicht, ob ihr es gesehen hattet, aber einer der Russos sitzt am Anfang in Caps Selbsthilfegruppe und erzählt von seiner schwulen Bekanntschaft. Nein, liebe SJWs, das war NICHT die wichtigste Szene in Endgame (hatte ich in einem Forum gelesen), aber dennoch sehr schön für die Variety und ganz natürlich eingefügt. So wie es sein soll. Als das dargestellt, was es ist: Normal.

Ebenfalls sicher eine Überraschung, dass Falcon Captain Americas Schild erbt und nicht Bucky. Ruft man sich Winter Soldier in Erinnerung, dann wäre Caps Wahl wohl zwingend sein „Bruder“ gewesen. Auch weil Falcon ohne Super Soldier Serum das Schild noch nicht mal vernünftig werfen, geschweige denn, irgendeinen Captain America-Kampf überleben könnte. Aber ich sehe, warum ein Schwarzer das Schild bekommt und finde es gut. Nur sollten sie daran denken ihm noch das Serum zu spritzen. Sonst wird das ein legendär kurzer Auftritt…

Die größten Gänsehaut-Momente

So viele… was war euer größter? Suicide Battle Ronin – Black Widow? Cap ist endlich würdig den Mjöllnir zu führen? Tony Stark umarmt Spidey? Shit, ich war fast nur am Flennen…

Asgardians of the Galaxy

Nun, da Disney kurzzeitig aus ihrer Verblödung aufgewacht ist und James Gunn wieder eingestellt hat, dürfen wir uns auf GotG 3 freuen. Mit einer verschwundenen Gamora und einem besoffenen Donnergott an Bord, kann das nur extrem unterhaltsam werden. Ein gefundenes Fressen für Gunn. Auf diesen Film aus Phase 4 freue ich mich am meisten. Bekannt und eingeloggt sind übrigens auch Folgende:

Black Widow

Black Panther 2

Guardians of the Galaxy 3

Doctor Strange 2

The Eternals

Yep, ein Film nur über Wesen mit Thanos-Powerlevel. Man darf gespannt sein. Oder auch nicht. Denn wie wir ja wissen: Wenn alle super sind, ist es keiner mehr…

Shang-Chi

Jaja, wieder hinsetzen, kannte ich bisher auch nicht. Shang-Chi ist scheinbar der beste Kung Fu-Kämpfer der Erde. Noch besser als Iron Fist. Und nachdem er durch kosmische Strahlung (wo kann man die kaufen? Will auch) die Superkraft entwickelt hat, beliebig viele Duplikate von sich selbst zu erzeugen, durfte er auch schon mal Avengers-Luft schnuppern. Bin gespannt. Nach Danny Depp können wir definitiv einen guten Martial Arts-Charakter gebrauchen.

Über Thilo (1786 Artikel)
Hi, ich bin der Gründer dieses bekloppten Blogs. Außerdem Realitätsflüchter, Romantiker, Rollenspieler, Gamer, Fantasynerd, Kneipenphilosoph und hochstufiger Spinner. Manchmal jogge oder schwimme ich, doch meistens trinke ich Bier.

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