Bright ist nicht sonderlich bright

4 von 10 Rapper Orks

Du kriegst die Tür nicht zu. Vor einigen Jahren wusste noch keiner, was ein „Streaming Service“, geschweige denn, „Netflix“ ist. Ich kann mich sogar noch entsinnen, dass ich dachte „da muss man sich anmelden und monatlich blechen, um sich Serien und Filme anschauen zu dürfen? Das wird sich gegen die günstig gewordenen Blurays, Kino, Youtube und die ganzen Piraten-Streamer wohl kaum behaupten können. Haha, nice try, Fetnix, oder wie ihr heißt.“

Tja, so falsch kann man liegen, heute ist Netflix kurz davor die Weltherrschaft an sich zu reißen. Ich meine, wer es sich leisten kann, mal eben für 100 Millionen Dollar einen Urban Fantasy Film namens „Bright“ mit Will Smith in der Hauptrolle drehen zu lassen, nur, um sich langfristig unabhängiger von Hollywood zu machen, dem tut wohl finanziell überhaupt nichts mehr weh.
Doch was mit selbst produzierten Serien, wie der extrem erfolgreichen, deutschen Mystery-Serie „Dark“, wunderbar klappt, darf in der Sparte “Film in Blockbuster-Länge” getrost als Griff ins Klo bezeichnet werden. Ich hatte es ja beim Trailer schon ausführlich befürchtet.

Schuld daran ist sicherlich auch Netflix‘ gewagtes Experiment seinen hauseigenen Algorithmus entscheiden zu lassen, welcher Film in Produktion geht. Denn anhand von Einsichten aus Milliarden Klicks seiner User will Netflix „abgelesen“ haben, dass sich die Menschheit nach einem Urban Fantasy-Film verzehrt, in dem Will Smith mit einem Ork-Polizist böse Elfen jagt.
Klingt einleuchtend. Oder auch nicht.

Bright hat viele geile Ansätze, funktioniert als alleinstehender Film jedoch in keiner Hinsicht. Ich werde mal versuchen die übersichtliche Handlung kurz für euch zu rekapitulieren. Ich übernehme allerdings keine Garantie, da ich trotz ständiger Schießereien und Action mehrmals fast eingeschlafen bin.

Bright spielt auf einer alternativen Erde, in der es mal eine Herr der Ringe-ähnliche „Fantasy-Frühzeit“ gab, komplett mit Elfen, Zwergen, Orks, Drachen, Feen und natürlich einem gemeinsam besiegten „Dark Lord“. Da der Film aber in der Gegenwart spielt, sind mittlerweile die simpel gestrickten Orks fast allesamt zu Gangsterrappern, Türstehern, Polizisten oder sonstigen „Proletariern“ geworden, während die schicken Elfen natürlich durch die Bank Manager, Politiker, Filmstars und andere Aushängeschilder der „Bourgeoisie“ sind.

Das ist unglaublich flach und klischeehaft, funktioniert jedoch im Film überraschend gut. Es ist so eine Art weiter gedachte Tolkien-Schablone, die man sich in ihrer schwarzweißmalerischen Einfachheit schulterzuckend gefallen lässt. Andere „Vereinfachungen“ wirken dagegen eher dämlich. Feen sind einfach nur übergroße, nervige Moskitos, die man besser mit dem Besen erschlägt und Drachen fliegen bei Panorama Shots der Stadt ab und an mal mystisch am dunstigen Horizont vorbei, würden für einen echten Auftritt jedoch zu viel CGI-Budget fressen.

Und dann die hauchdünne Story, die kaum eine Folge einer Serie füllen würde. Es gibt sogenannte „Wands“, also Zauberstäbe, die einfach so „kursieren“ und die bei ihrem Auftauchen meist für Leichen und Krater im Boden sorgen. Nur sogenannte „Brights“ können sie überhaupt schadfrei berühren, während sich alle anderen fein atomisiert in der Atmosphäre wieder finden. Dafür gibt es dann eine Art „magische Abteilung“ bei der Polizei, die genauso gut die „Wand Squat“ oder so heißen könnte, da scheinbar ohne Wand eh keiner Magie wirken kann.

Und was ist jetzt die Story?

Ach ja, bei den Elfen gibt es ein paar böse Exemplare, die sich dann mystisch „Inferni“ nennen, und die versuchen alle 3 wands (gibt’s nicht mehr?) in ihre Macht zu bringen, um damit den Dark Lord wieder aufzuwecken. Nun könnte man denken, dass es damit doch genug Material für Handlung und einen epischen Showdown bei der Erweckung des Fieslings gibt. Nur leider kommt im Film nur ein Wand vor, der von Will Smith und seinem Ork-Partner, im Verlauf einiger Schießereien sichergestellt wird. Dabei kommt raus, dass – OHO, wer hätte das gedacht – Will Smith-Cop auch ein bright ist. Was jedoch für die Handlung keine Konsequenzen hat. Dann ist der Film zu Ende und ich schrecke aus meinem Halbschlaf hoch.

WTF?

Also, was Bright für mich gezeigt hat, waren 3 fundamentale Einsichten:

  1. Will Smith zu verheizen macht wenig Sinn, wenn es jeder No-Name auch getan hätte und das Geld auch für mehr CGI oder ein Drehbuch hätte verwendet werden können.
  2. Das Konzept des Films macht Bock auf eine Art Shadowrun-Serie. Betonung auf Serie. Denn die ganze Cop-Nummer bietet sich viel besser für eine Supernatural-artige Serien-Krimi-Struktur an, als für einen Film.
  3. Netflix‘ Algorithmus ist CRAP. Oder er hat recht, aber sie müssen noch den Dreh raus bekommen, aus ihren Analyse-Daten auch einen vernünftigen Film zu drehen.
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