Space Sweepers ist schnell, bunt und sympathisch

© Netlix

7 von 10 Schrottsammlern

Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber wenn ich Space Opera höre, muss ich immer und ausschließlich an Star Wars denken. Vermutlich hat kein Filmphänomen den Begriff so nachhaltig geprägt wie George Lucas‘ Werk über romantische Ritter mit Schwertern aus buntem Licht.

Wird also mal Zeit für eine Space Opera mit heroischen… Schrottsammlern!

Und genau das und noch viel mehr hat uns Regisseur Jo Sung-hee mit seinem koreanischen Blockbuster Space Sweepers farbenprächtig vor die Kanzel geballert.

Dabei sind die temporeichen Schauwerte, inklusive effektreicher Sounduntermalung, erfreulicher Weise auch genau das, was ich von einer millionenschweren Netflix-Produktion erwarte.

Doch trotz aller bunten Unterhaltung schafft es die koreanische Dystopie durch ihre Gesellschaftskritik auch ausreichend düster zu sein:

Dank Kapitalismus und Ausbeutung der Erde hat sich im Jahr 2092 auch räumlich eine Zweiklassengesellschaft gebildet. Während der Großteil der Menschheit auf einem sterbenden Planeten dahinvegetieren muss, lebt eine privilegierte Elite auf der paradiesischen Raumstation Eden in Saus und Braus. Diese Art der düsteren Zukunftsvision ist natürlich nicht neu und wurde bereits ähnlich visualisiert bei Alita: Battle Angel oder in Neill Blomkamps Elysium.

Hinzu kommt, dass sogar der Orbit der Erde langsam durch Weltraumschrott zu einer Müllhalde wird: durch kaputte Satelliten, Raumschiffswracks und ähnlichen Müll – ganz ohne, dass jemand, wie bei Futurama, einen mondgroßen Abfallball ins All geschossen hätte.

Daher rührt auch die interessante Perspektive des Films: Die Kamera zeigt uns früh das kaputte oder gleich ganz fehlende Schuhwerk der Crew des Raumschiffs Victory, die sich mit dem Sammeln und Verkaufen von Weltraumschrott über Wasser hält.

Die Grundlage für eine solide „from rags to riches“-Story ist also geschaffen und nimmt ihren Lauf, als die sympathische Crew eines Tages ein Mädchen findet, das eine gefährliche Bombe in sich tragen soll. Der Plan sich mit dem Verkauf der gefährlichen „Fracht“ vorzeitig zu sanieren, scheitert und zerbröselt selbstverständlich am Charme des kleinen Mädchens, das in kürzester Zeit die gesamte Crew um den Finger gewickelt hat.

Kinder bringen Eltern manchmal zum Explodieren… © Netlix

In gewisser Weise bringt das Mädchen in allen Crewmitgliedern das Beste hervor – selbst aus dem witzigen Roboter -, was alle Akteure nochmal sympathischer macht, als sie ohnehin schon sind. Die Schauspieler machen da wirklich einen tollen Job.

Lediglich der „Bösewicht“ von Space Sweepers, eine Art unsterblicher Elon Musk, gespielt von „Thorin Eichenschild“ Richard Armitage, hat mich weniger vom Pilotensitz gehauen. Er schien eher durch sein anhaltendes „Hautproblem“ zum gefürchteten Antagonisten zu werden, als durch schauspielerische Glanzleistungen. Aber vielleicht war dessen wenig hervorstechende Rolle auch mit Absicht so „neutral“ angelegt, um den Zuschauer in die Irre zu führen. Denn natürlich entpuppt sich der über 150 Jahre alte Tech-Milliardär erst langsam zu etwas, was alles andere ist, als der große Wohltäter der Menschheit.

Neben der tollen Optik und den größtenteils begabten und sympathischen Schauspielern haben mich lediglich zwei Minuspunkte von einer Topwertung abrutschen lassen.

Stellenweise wirkte mir der Film dann doch zu überladen und hastig. Wobei ein Roboter, der Anime-mäßig durch den Weltraum springt und Raumschiffe mit einer Harpune angreift, sicherlich Geschmackssache und der koranischen Natur des Films geschuldet ist.

Hinzu kam allerdings die, für meinen Geschmack, etwas überlange Spielzeit. Wenn ich in einem Film irgendwann auf die Uhr gucke und mich frage, wie lange er noch geht, ist das nie ein gutes Zeichen…

Fazit trotzdem: angucken und an der tollen Atmosphäre erfreuen.

Mit ihren chronisch abgebrannten Protagonisten, dem Robot-Sidekick und dem Twist, der das Schicksal der Menschheit bedroht, hat mich Space Sweepers sehr an Story und Atmosphäre des Scifi-Romans Mutation erinnert. Klare Empfehlung an dieser Stelle noch mal.

Und sehr interessant und passend war auch die multikulturelle Darstellung des menschlichen Miteinanders in der Zukunft, unterstützt dadurch, dass die verschiedenen Sprachen nicht synchronisiert, sondern nur durch Untertitel übersetzt wurden. Die Untertitel sind bei Space Sweepers für die Zuschauer das, was für die Crew der Victory ihre Übersetzungs-Ohrstöpsel sind. Am Anfang hatte ich mich sehr gewundert, warum ich nur die Hauptakteure auf Deutsch oder Englisch umschalten konnte und den Rest in Untertiteln mitlesen musste. Letztlich war das wohl Absicht und hat den futuristisch-multikulturellen Eindruck des Films sehr günstig beeinflusst. Man hätte den Film also auch fast im Original schauen können. Das Koreanisch hört sich ohnehin geil an und verleiht dem Film noch ein zusätzliches Quäntchen Anime-Flair.

Space Sweepers | Official Trailer | Netflix
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