Terminator Dark Fate: Spaßig aber eine kreative Sackgasse

Göre, Supersoldatin und Killeroma © Paramount Pictures

6 von 10 modifizierten Superfrauen

SPOILER! Wer den Film noch sehen will, sollte später wieder kommen.

Geh weg!

Du kannst demnächst gerne nackt aus einer Zeitreisen-Blase fallen und dich in meiner Kommentarsektion verewigen, aber erst nachdem du den Film geguckt hast.

Noch hier? Ok, dann selbst Schuld.

Terminator Dark Fate nimmt sich ein derzeit grassierendes Prinzip zum Vorbild: Let the past die. Deshalb wird John Connor zu Beginn des Films kurz von einem T-800 erschossen, damit der zukünftige Retter der Welt endlich eine Frau sein kann. Yay! Damit habe ich überhaupt kein Problem, nur wäre es förderlich gewesen die Retterin der Welt nicht von einer kleinen Latina spielen zu lassen, der ich die Rolle sowas von nicht abgekauft habe.

Das ist besonders schade, weil der Rest vom Cast eigentlich phänomenal ist. Die gealterte Linda Hamilton hat so ein wenig mit dem 70-jähriger-Indiana-Jones-Problem zu kämpfen, ist jedoch immer noch ausreichend badass für die Rolle. Selbst für den gealterten Arnie wird noch eine humorvolle Rolle in der Handlung gefunden.

Doch der wahre Star des Films ist Mackenzie Davis als modifizierte Superfrau „Grace“. Sie hat mich in stillen wie actiongeladenen Momenten als pflichtbewusste Beschützerin und Supersoldatin mehr als überzeugt. Ich hoffe, dass man sie in Zukunft noch in mehr Action- und Scifi-Filmen sehen wird.

Ihr gibt man(n) besser keine Widerworte: Grace © Paramount Pictures

Der „böse“ Terminator: Rev-9

Ein Film ist meist nur so gut wie sein Bösewicht. Doch obwohl er von Gabriel Luna wirklich gut gespielt wurde, hat mich der Rev-9 nicht wirklich vom Hocker geschossen. Er war weder so furchterregend wie der alte T-800, noch so genial in seinen Verwandlungskünsten wie der T-1000; und das, obwohl er ironischer Weise eine Kombination aus beiden ist.

Zunächst mal sehen die Special Effects manchmal etwas nach B-Ware aus. Wenn der Rev-9 z.B. das Gesicht weggeballert bekommt, wirkt die Sofortheilung durch das Flüssigmetall wie ein matschiger Überblendungseffekt (was ich bei der Güte anderer Effekte ziemlich verblüffend finde). Das „Morphen“ sah ja damals beim T-1000 schon besser aus, was aber auch zeigt, wie verdammt gut der geniale Terminator 2 gealtert ist.

Und dann wäre da noch der Elefant im Raum: Die vermasselte Logik. Wenn sich der Rev-9 in T-800 und T-1000 aufspalten und gleichzeitig angreifen kann, wieso macht er das dann nicht immer? Sind zwei Soldaten nicht besser als einer? Vermutlich, weil die weibliche John Connor-Variante sonst zu schnell tot gewesen wäre. Und weil die T-1000-Hälfte ohne ihr Endoskelet scheinbar mit einer zügig geschwungenen Kette in Scheiben geschnitten werden kann wie eine wandelnde Leberwurst…

Hinzu kommt, dass den Fans der T-1000-Nachfolger schon im leicht trashigen Terminator: Genisys gegeben wurde. Der aus Nanorobotern bestehende T-3000 fühlte sich deutlich mächtiger und ehrfurchtseinflößender an, als das doppelte Lottchen, Rev-9. Auch wenn Terminator Dark Fate alles nach Judgement Day geretconned hat, existiert der geile Nano-Terminator natürlich trotzdem in den Köpfen der Fans. Und dagegen fühlt sich der Rev-9 wie ein Rückschritt an.

Hey, Rev! Du hast da was im Gesicht hängen! © Paramount Pictures

Action und Story nach Strickmuster B

Überhaupt fühlt sich Terminator Dark Fate nun, da ich noch mal ein paar Nächte drüber geschlafen habe, etwas obsolet an. Ein wenig so wie SW – The Force Awakens, der im Grunde nur Last Hope kopiert hat. Natürlich hat Dark Fate seine spaßigen Stellen, doch das alte Muster „ein guter und ein böser Roboter werden durch die Zeit zurückgeschickt, um den oder die Retterin der Welt zu retten oder zu liquidieren“ hat einfach mittlerweile ausgedient. Eigentlich hätte nach Terminator Judgement Day kein weiterer Terminator-Film mehr gedreht werden dürfen. Das Story-Potenzial war einfach auf den Punkt ausgeschöpft, was spätestens in Terminator 3 klar gewesen sein dürfte.

Was natürlich nicht heißt, dass man sich als Hollywood-Boss mit Dollarzeichen in den Augen nicht noch ein paar Mal in dieser kreativen Sackgasse austoben darf. Doch dann sollten im Film nicht derart viele Pinkelpausen Platz finden, dass ich es bereue, nicht einen ganzen Kasten Bier mit ins Kino geschmuggelt zu haben.

Ernsthaft, da hätte ich von Deadpool Regisseur Tim Miller schon etwas mehr BUM BUM erwartet. Die Actionszenen waren zwar unterhaltsam, doch kannte ich die meisten schon aus den Trailern. Und die Szene im Flugzeug wirkte so hektisch, schlecht gefilmt und willkürlich koordiniert, dass es mich irgendwie rausgerissen hat. Da war der Rev-9, der sich gefühlte Stunden in einem Fallschirm fangen lässt, nur die Spitze des Eisbergs.

Was sind meine zusammenfassenden Gedanken zu Terminator Dark Fate?

Ein stellenweise sehr unterhaltsamer Film mit toller weiblicher Hauptrolle, der aus den besten Teilen seiner Vorgänger zusammengeflickt ist, für den Nachfolger des legendären T2 aber zu wenig Action und State of the Art-CGI zu bieten hat.

Von einigen als erfolgreicher Neustart des „Franchise“ bezeichnet, riecht es hier eher nach zu oft aufgewärmter Suppe. Für mich heißt es mit Blick auf die düstere Zukunft deshalb nicht „hasta la vista“, sondern „you are terminated“.

Über Thilo (1799 Artikel)
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2 Kommentare zu Terminator Dark Fate: Spaßig aber eine kreative Sackgasse

  1. Ja, als Reminiszenz und „Zitatespielplatz“ auf die beiden ersten Teile, insbesondere den besten zweiten, ist Dark Fate schon ganz sehenswert. Aber storytechnisch sehen wir hier ja mal so rein gar nichts Neues, wenn wir mal den Zeitgeist-Genderswitch außen vor lassen.

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