Guardians of the Galaxy 3 – Ich lachte, weinte und bin glücklich!

© Marvel/Disney

10 von 10 schlauen Waschbären

Wenn man kleine Kinder hat, muss man manchmal etwas improvisieren, wenn es um die eigene Freizeit geht. Und egal wie glühend und emphatisch mein Sohn mir mit seinen 7 Jahren in die Hand schwört, dass ein Film wie Guardians of the Galaxy 3 überhaupt nicht gruselig für ihn wäre – ja geradezu lächerlich gegen alles, was er schon bei Ninjago gesehen hat – muss ich es doch so ein richten, dass er von Oma bespaßt ist, während ich sprechenden Waschbären beim Töten zusehe.

Und das geht eben am besten in der Woche und nachmittags.

Hat den Vorteil, dass ich beinahe mutterseelenallein im Kino sitzen durfte. Nur ich und meine Käse-Nachos, Schokoerdnüsse und überschüssigen Pfunde.

Ach ja, und Miss Wiki. (Fast vergessen, nicht hauen!)

Aber mit den Guardians fühlt es sich ohnehin niemals so an, als wäre man alleine. Nach zwei 10 von 10-Ritten mit den durchgeknallten und sympathischen Wächtern der Galaxis (Review Teil 1, Review Teil 2), hat man das Gefühl zu seiner Familie zurückzukehren. Und egal was die Irren veranstalten, es geht an die Nieren.

Zunächst mal ist auffällig, dass dieser Teil deutlich düsterer durch das Sprungtor geflogen kommt als seine beiden Vorgänger. Die Thematik des Films ist durchaus ernst (auch mit seinen Parallelen zu unserer Welt) und die Gag-Dichte ist ebenfalls nicht ganz so Zwerchfell-durchpimmelnd wie man es von den Guardians kennt.

Aber das tut dem Film überhaupt keinen Abbruch.

Einige Kritiker haben bemängelt, dass Star Lord zu emotional sei. Da haben sie natürlich recht. Soll sich mal zusammenreißen dieser Waschlappen! Nur weil seine Freundin gestorben und sein bester Freund in Lebensgefahr ist!?

Aber egomane, selbstbeweihräuchernde Möchtegernfilmkritiker mal außen vor: James Gunn hat ein drittes Mal abgeliefert. Und nichts anderes habe ich von diesem Ausnahme-Regisseur erwartet.

Er hat mich zum Lachen und zum Weinen gebracht, während er mich mit seinem Team zu skurrilen Orten geschickt und mir Explosionen aus Feuer, Schleim und Verbundmaterialien um die Ohren hat fliegen lassen. Und das alles, wie immer, untermalt mit einer genialen Auswahl an Star Lord-Songs!

Was will man mehr?

Und selbst die Action, die in manchen Marvel-Filmen nach gefühlt 800.000.000 Filmen langsam etwas generisch zu werden droht, gestaltet Gunn immer noch so speziell, dass optisch nie Langeweile aufkommt. Ich denke hier besonders an einen Kampf auf engstem Raum in einem Gang gegen “Hell Spawn”, der durch geschickte Kameraführung und Ideenreichtum einfach nur das Popcorn in der Hose tanzen lässt. (Hier besseren Vergleich einfügen).

Im Übrigen hat mir der Fokus auf Rocket und seiner Geschichte sehr gut gefallen und mich emotional volle Breitseite getroffen. Denn war es nicht der sprechende Waschbär, der uns schon damals, bei den ersten Trailern zu Teil 1, vor Freude hat jauchzen lassen? Er war es doch, der eine neue Ära der freakigen Space-Unterhaltung für Marvel-Fans einläutete. Nur würdig, dass er im finalen Teil der Trilogie das Spot Light bekommt, das er verdient.

Ein Kumpel zum Pferde stehlen: Der High Evolutionary. © Marvel/Disney

Das Einzige, was man dem Film vielleicht vorwerfen könnte, ist die Darstellung seines Bösewichts. Der “High Evolutionary” leidet, wie alle Marvel-Superschurken, unter der monomanischen Victor Frankenstein-Störung, die so leicht zu beheben wäre:

Du willst die Hälfte allen Lebens auslöschen, damit die Rohstoffe für alle reichen, Thanos? Cool! Man könnte in einem unendlichen Universum natürlich auch einfach die Rohstoffe verdoppeln, aber wer bin schon ich, einen MAD TITAN in Frage zu stellen? Vor allem, wenn er so einen lustigen Handschuh trägt, wie du…

Und so scheint auch die Agenda des Skeletor-Verschnitts mit Robocop-Allüren zur Schaffung einer perfekten Rasse mehr als fragwürdig. Besonders, da er auch sich selbst nach seiner eigenen Definition sofort gegen jemand besseren austauschen müsste…

Aber immerhin sorgt so ein Villain für ausreichend Motivation bei den “Guten” und beschert uns als Zuschauer eine interessante Riege an Kanonenfutter, Unter- und Mittelbossen, die sogar im Exil lebende Trash-Autoren wie Ivan Ertlov mit den kybernetisch modifizierten Schweineohren wackeln lässt.

Also, trotz seiner etwas düstereren Atmosphäre konnte mich auch dieser Film komplett abholen. Und auch, wenn er im direkten Vergleich mit seinen beiden Vorgängerteilen vielleicht geringfügig weniger punktet, muss ich ihm dennoch, aus Prinzip, volle 10 Punkte geben. Weil es die Guardians sind. Weil es Familie ist.

Angeblich soll dies nun auch wirklich der letzte Ritt der GotG gewesen sein. Wer jedoch sein Sitzfleisch bis zur zweiten Abspannszene bemüht, weiß, dass das gelogen ist. Phew.

Über Thilo (1193 Artikel)
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