Zeitmaschine (vor 500 Artikeln):

Amsterdam Reisebericht: An Grachten schmachten

Amsterdam ist eine große Ansammlung windschiefer Häuschen, in dessen malerischen Gässchen und mittelalterlichen Winkeln ein beständiger Cannabis Duft die Nüstern erfreut. Dazwischen ziert das „Venedig des Nordens“ ein schimmerndes Spinnennetz aus über 100 wassergefüllten Grachten mit sage und schreibe 1000 Brücken. Es drängte sich die Frage auf wie viele der grotesk schief stehenden Häuschen mit den steilen Treppen im Inneren schon zusammengesackt und ins Wasser gerutscht sind. Man versicherte uns jedoch, dass trotz Schutzstangen, nur im Schnitt ein Auto pro Woche in die Entengrütze fällt.

Natürlich gibt es in Amsterdam mehr Coffee Shops als Supermärkte und die meisten Touris rennen früher oder später ins illustre Rot-Licht-Viertel, um verschämt grinsend oder infantil gackernd an den roten Vorhängen und den armen, nackten Seelen dahinter vorbei zu stelzen. All das kann man sich jedoch getrost sparen und sofort zum Wesentlichen über gehen: Abends und am besten am Wochenende den Holländern bei ihrem lustigen Grachten-Treiben zusehen. Dazu schnappe man sich die Droge seiner Wahl (in unserem Fall Rotwein und Käse) und pflanze sich damit an den gemütlichen Teil einer Gracht bis die Sonne untergeht. Einfach göttlich, was da so den Kanal hinunter geschippert kommt! Hier die 10 von mir am häufigsten gesichteten Boote:

– Ein 18-jähriger, hochgestellter Polohemdkragen mit Sonnenbrille in der Gel-Frisur, der in seiner Position als Besitzer von Papas Schnellboot die Chicks aus seiner Klasse so lange im Kreis fährt bis sich ihm eine an den Hals schmeißt.
– Das Partyboot mit lauter Technomucke und tanzenden Oranje-Mädels.
– Das über Gebühr und jeden Moment absaufende Miniboot mit 10 besoffenen Kumpels.
– Das extravagante Boot mit Sesseln, Tanzfläche, Hängematte oder sonstigen „Specials“.
– Das Grill-Sauf-Boot mit mehr oder weniger schön anzuschauenden, nackten, holländischen Oberkörpern und albern kichernden Frauen, die sich Gin in ihre 7up kippen.
– Das „Mädels-only-Boot“.
– Das Boot mit den 3 braungebrannten Sonnenbrillen, das dem nächstbesten „Mädels-only-Boot“ hinterher fährt.
– Die großen Touristen-Cruiser mit Glas-Panoramadach, erhältlich ohne Menü, als „Pizza-Cruise“ oder als „Käse und Wein-Cruise“ in den Dämmerstunden.
– Die exklusiven Pärchen-Cruises in pseudo-venezianischen Gondeln mit Außenbordern.

Zum Schluss noch ein paar Bildimpressionen, wobei das letzte Bild für mich sehr schön Herz und Seele von Amsterdam zusammenfasst. Mein Tipp an alle Pärchen: Wem verständlicher Weise ein Wochenende für Venedig zu kurz ist, der kommt besonders abends in Amsterdam voll auf seine romantischen Kosten (siehe das von mir verhunzte Nachtfoto).

schiefehäuschen

party

pisser

romantisch

fass

Über Thilo (1610 Artikel)
Hi, ich bin der Gründer dieses bekloppten Blogs. Außerdem Realitätsflüchter, Romantiker, Rollenspieler, Gamer, Fantasynerd, Kneipenphilosoph und hochstufiger Spinner. Manchmal jogge oder schwimme ich, doch meistens trinke ich Bier.

1 Kommentar zu Amsterdam Reisebericht: An Grachten schmachten

  1. LOL. Das Bild mit dem „Kumpels-Boot“ ist geil, wo der eine hinten runter pullert und so dämlacken in die kamera guckt 🙂 hehe.

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.