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Filmkritik: Pacific Rim – Guillermo del Toros Hommage an Anime und Kaiju Filme

pacific rim gypsy danger 9 von 10 Kettenschwertern Dedicated to the memory of Monster Masters Ray Harryhausen and Ishiro Honda. Diesen rührenden Satz hat Guillermo del Torro unter seine End Credits geschrieben. Und genau diese Verehrung der alten Meister und die Liebe zu spektakulären Kinomonstern, egal ob zum Kraken oder Godzilla, merkt man Pacific Rim in jeder Sekunde der 131-minütigen Spieldauer an. Und deswegen war auch mein erster Impuls dem Film 10 von 10 Punkten zu geben. Einfach weil sein Fun Faktor so hoch ist und ich ständig wie ein blöder Schuljunge vor mich hin grinsen musste. Und wenn ein Film das schafft, dann ist das für mich die Kinomagie der ursprünglichsten Art. Pacific Rim ist der Sommer-Blockbuster, der eigentlich der etwas freudlose Man of Steel hätte sein sollen. Del Torro zieht die gesamt mega-alberne Prämisse des Films und die gebündelte Sillyness von Mech Warrior- und Kaiju-Filmen im Allgemeinen einfach so konsequent durch, dass selbst in erwachsenen Menschen der „innere, kleine Junge“ vor Freude jauchzt und große glänzende Augen bekommt, wie am heiligen Abend. Der Mann, der schon in den Hellboy Filmen, bei Blade 2, Pans Labyrinth oder beim Hobbit seine Monsterliebe von der Leine lassen durfte, hat für Pacific Rim nun endlich ein so pralles Budget bekommen, dass er einfach die Scheisse auf den Ventilator werfen konnte... Doch warum heißt es dann oben in der Wertung nur 9 von 10? Weil der Film eben irgendwann zu Ende ist und die Wirkung der Fanboy-Droge nachlässt. Nachdem der letzte Nerdgasm abgeebt war und auch das Grinsen erfolgreich aus meinem Gesicht operiert werden konnte, war es an der Zeit den Film noch mal etwas nüchterner Revue passieren zu lassen. Dabei sind mir 2 Dinge aufgestoßen, die so gravierend (für mich) sind, dass der Film doch knapp am Stempel „besonders wertvoll“ vorbei segelt. Doch damit hier jetzt der Vibe nicht getrübt wird: 8, 9 und 10 sind Knallerwertungen. Pacific Rim ist ein geiler Film. Punkt. Ich habe jede Sekunde genossen. Es geht auf der nächsten Seite einfach nur darum, einen etwas weniger emotionalen und nüchtern-objektiven Blick auf den Film zu gewähren. SPOILER AHEAD!

Typisch Del Torro: Hauptsache ein Glas mit ekligen Monstereingeweiden ist im Hintergrund zu sehen.

Typisch Del Torro: Hauptsache ein Glas mit ekligen Monstereingeweiden ist im Hintergrund zu sehen.

Aber erst mal zurück zur allgemeinen Lobeshymne.

Es hat mir sehr gut gefallen, dass der Film sofort in Medias Res startet und die Angriffe der Riesenmonster ein gegebenes Faktum sind, mit denen sich die Menschen arrangiert haben. Nur schlau, dass die Völker der Erde Independance Day-like ihre Differenzen beilegen und lieber mit Riesenkampfroboter gegen einen gemeinsamen Feind kämpfen. Sehr angenehm. Nach all den Origin Stories und langsam auf einen vermeintlichen Höhepunkt zu arbeitenden Filmen, endlich mal wieder eine Geschichte, die gleich zur Sache kommt.

Ein tolles Kinoerlebnis hängt für mich auch ganz maßgeblich davon ab, ob der Regisseur eine halbwegs glaubwürdige Welt erschaffen und ob er eine ganz eigene Atmosphäre kreieren konnte. Und genau das ist Del Torro durch die Bank gelungen. Die Kaijus sind einfach überall: Spielzeug, alte Kaiju-Schädel werden zu Häusern und Tempeln verbaut und es gibt einen florierenden Schwarzmarkt für Kaiju-Produkte jeglicher Art. Besonders der gesamte Look und Feel von Hong Kong hat mich total an die mystische und spaßige Atmosphäre von Big Trouble in Little China erinnert.

Das 3D war meines Erachtens mal wieder überflüssig, hat aber auch nicht gestört. Die hier und da zu Tage tretende Kritig, die Kämpfe seien Videospiel-blurry und schwer zu verfolgen, konnte ich nicht nachvollziehen. Obwohl häufig Nacht und Regen die Sicht „romantisiert“, ließ sich die Roboter-Faust-in-Kaiju-Fresse-Action noch sehr genüsslich verfolgen. Und überhaupt … die ganze Saber Rider-Ramrot gegen Godzilla Action des Films (Meine persönlichen Kindheitserinnerungen in Bezug auf Mechs und Megamonster). Grandios. Danke Guillermo!

Wenn die Jäger-Piloten sich mit dem Mecha auf neuronaler Ebene verbunden haben und dann zu epischer Musik mit der Faust in die Handfläche schlagen, um die Funktionsweise der Hände zu testen, dann kann es passieren, dass wohlige Nerd-Schauer Rücken hinunter laufen. Mein Rücken war so einer. Aber wer jetzt denkt, dass die Roboter allen menschlichen Akteuren komplett die Show stehlen, irrt sich. Del Torro schafft es die Leichtherzigkeit und inhärente Comichaftigkeit des Dargestellten auch auf die Personen zu übertragen.

Natürlich verbringen die Darsteller keine dramaturgischen Höchstleistungen, aber sie sind alle passend und für die Zwecke des Films angenehm eindimensional überzeichnet. Häufig hatte ich das Gefühl einen „zum Leben erweckten“ Manga anzuschauen. Und Hermann Gottlieb, ach überhaupt das „Frankenstein Duo“ ist mir in Erinnerung geblieben. Genauso wie die Organe-handelnden Shadowrun Gangster mit einem für die Rolle brillianten Ron Perlman als Hannibal Chau an der Spitze.

Doch nun endlich zu meinen beiden Minuspunkten, wenn man sie aus Dankbarkeit für die Realisation eines solchen Projekts überhaupt in den Banausen-Mund nehmen darf.

  1. Die Logikschnitzer. Von denen gab es einige, die ich jetzt hier auch gar nicht alle langweilig runter lamentieren will. Aber das Jäger-Programm auf Eis zu legen, nur weil mal einer gegen einen stärkeren Kaiju verloren hat und statt dessen … wait for it … eine große MAUER zu bauen… ist … so lächerlich und albern! Besonders weil sie im Film feststellen, dass sich jede Welle von Kaijus weiter entwickelt und auf die Verteigung der Menschen anpasst. Was ist, wenn mal eins fliegen kann, oder graben? Oder einfach trotzdem durchbricht? Eine Riesenmauer? REALLY? Oder haben wir es hier mit einem witzig gemeinten, politischen Statement von Del Torro zu tun? Politiker machen Scheisse mit unseren Steuergeldern? Big News.
  2. Die Bewaffnung der Roboter. Mal ganz davon abgesehen, dass ich nicht gerafft habe, wieso die Mechs erst mal mit den Riesenviechern rumwrestlen und boxen müssen, anstatt immer und sofort ihre Badass Kettenschwerter einzusetzen. Gerade im Finale sieht ma ja wie verdammt effektiv die sind beim slice and dice von Kaijus… Ich finde, die Bots hätten generell mehr Optionen haben müssen. Wenn ich mir verschiedene Games oder Animes in Erinnerung rufe, konnten die immer Laser, Raketen und Flammenwerfer aus sämtlichen „Körperöffnungen“ schießen. Zum Überleben der Menschheit hätte man doch sicher noch mehr Waffenarsenal aufgefahren, oder? Als es die Jäger noch nicht gab haben sie die ersten Kaijus ja auch mit Bomben und Raketen zur Strecke gebracht. Davon war mir echt deutlich zu wenig in den Kämpfen (mit wenigen Ausnahmen).

Die Kaijus brechen durch die Mauer wie durch Butter. Big Surprise.

Die Kaijus brechen durch die Mauer wie durch Butter. Big Surprise.


Aber, lange Rede, kurzer Sinn: Insgesamt ist das ein FUN Movie erster Kajüte! Absolute Empfehlung, muss man gesehen haben. Wer davon nicht gut unterhalten wird fürs Geld, sollte sich generell fragen, ob er vielleicht einfach nur noch alt, spießig und wunderlich geworden ist.

Über Thilo (1561 Artikel)
Hi, ich bin der Gründer dieses bekloppten Blogs. Außerdem Realitätsflüchter, Romantiker, Rollenspieler, Gamer, Fantasynerd, Kneipenphilosoph und hochstufiger Spinner. Manchmal jogge oder schwimme ich, doch meistens trinke ich Bier.

4 Kommentare zu Filmkritik: Pacific Rim – Guillermo del Toros Hommage an Anime und Kaiju Filme

  1. Wuhuu darauf hab ich gewartet. Jetzt bin ich aber doch ein wenig überrascht, dass es keine volle Punktzahl von dir gab. Klar die Logikfehler sind aber die brachten ja die Story weiter und dass die Jaeger zuerst mit den Kaijus boxen dient natürlich einzig und allein dazu, dass wir was zu sehen kriegen…so what 😀

    Bester Film des Jahres für mich bis jetzt.

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