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Filmkritik: Schattenkrieger – The Shadow Cabal

The Shadow Cabal nemyt 5 von 10 elfischen Scheinwerfer-Augen Kennt ihr das? Wenn man so gelangweilt, aber experimentierfreudig durch die Mediathek des Vertrauens flaniert und dann einfach irgendwas ausleiht? Mich reiten da manchmal seltsame Furien und dann angle ich einfach Blurays mit albernen oder irgendwie meine Stimmung gerade ansprechenden Covern aus dem Regal und lasse mich überraschen. So auch die Tage wieder geschehen. Erwartungsgemäß stellten sich die meisten meiner „Experimente“ als Kotz-Hilfen für Supermodels heraus. Einzig das Werk von Arrowstorm Entertainment, über welches ich euch schon einmal kurz berichtet habe, konnte mich halbwegs amüsieren: Schattenkrieger - The Shadow Cabal. Im Rahmen des mittlerweile etablierten „Von der Stange-Fantasy“-Genres, gingen Kinofans leer aus bei diesem direct to DVD (bluray) Streifen. Man merkt diesem Werk an, dass die Jungs von Arrowstorm Fantasy Fans sind, die wirklich guten Willen und Herzblut investiert haben. Doch reicht das für einen sehenswerten Fantasyfilm aus?

Die kratzbürstige Nemyt muss dem armen Keltus natürlich immer Wiederworte geben...

Die kratzbürstige Nemyt muss dem armen Keltus natürlich immer Widerworte geben…

Die Story des Films ist relativ simpel und könnte dem Plot einer beliebigen Pen & Paper – Rollenspielrunde entsprungen sein: Die Elfen-Kopfgeldjägerin Nemyt, gespielt von der ansehnlichen Danielle Chuchran, ballert mit einer Armbrust den Drachenreiter und Ork-Schamanen Fangtor Bloodmoon aus dem Sattel. Nachdem sie ihm den Todesstoß versetzt hat, „infiziert“ er sie jedoch noch mit einer Art „Schattenfluch“, der die Betroffenen nach einer Weile dazu nötigt, sich als loyale Kämpfer der unheiligen Armee des Schattendämons „Goth Azul“ anzuschließen. Um ihre vollständige Transformation zu stoppen und Goth und seine Untoten-Kumpels aufzuhalten, schließt sie sich mit dem Paladin Keltus und dem Ork Krieger Kullimon zusammen.

Im Grunde wird die Handlung ab da von den Dialogen und Spannungen innerhalb dieser ungewöhnlichen Heldentruppe getragen. Dass sich Orks und Elfen nicht unbedingt gut riechen können, dürfte ja auf der Hand liegen. Klar, dass dann der Paladin hier und da die Fronten klären muss.

Ansonsten tröpfelt der Film wie eine Art Roadmovie mit gelegentlichen Scharmützeln vor sich hin. Wobei die Kämpfe für einen Film dieser Art relativ gut choreographiert sind und gerade der katzenhafte Kampfstil von Nemyt ist ganz nett anzusehen (siehe auch Bonusmaterial weiter unten). Doch man wird das Gefühl nicht los, dass der gesamte Film ein LARPer Fanprojekt ist, welches sich besonders auf gute Kostüme und die bereits erwähnten Kämpfe beruft. Mehr ist da irgendwie nicht. Wenn in den ersten 10 Minuten des Films die leuchtenden Kontaktlinsen der Elfe gefühlte 100 Mal in Großaufnahme gezeigt werden, ahnt man bereits, dass man es mehr mit einem Elfen-Masturbations-Film zu tun hat, als mit einem vollwertigen Blockbuster. Schade, denn hier wäre sehr viel Potenzial für das Ausleben noch ganz anderer Fantasy-Nerd-Träume gewesen.

Auch die Darstellung der Welt ist ein wenig zu amateurhaft geraten, um vollständig in ihren Bann zu ziehen. Andauernd wird mit sehr groben Farbfiltern gearbeitet, um möglichst kitschige Farben in den Hintergrund zu zaubern. Der gute Wille etwas Mystik zu erzeugen ist erkennbar, doch es ist einfach TOO MUCH und wirkt… ja, amateurhaft eben.

Die Kostüme und Masken sind bis auf wenige Ausnahmen eigentlich sehr professionell. Die Orks haben fast Herr der Ringe-Qualität, bis auf Kullimon, der mich mit seiner seltsamen Nasenpartie eher an eine Art Katzenwesen erinnert hat. Was natürlich beim fröhlichen Cross Breeding der Orks nachvollziehbar und damit als künstlerische Freiheit ok ist.

The Shadow Cabal zwergBei anderen Rassen sieht es da jedoch anders aus. Zwerge beispielsweise sind einfach nur hässliche, mit Bomben werfende und mit Donnerbüchsen rumballernde Honks, die eigentlich wie Gnome von Word of Warcraft aussehen. Die Handlung des Films gewährt es ihnen lediglich durch eigene Blödheit zu explodieren oder enthauptet zu werden. Ganz lustig, aber eben auch sehr albern für Hardcore Tolkinisten, die eine etwas „seriösere Darstellung“ einer Standardrasse bevorzugen.

Die Qualität der Special Effects variiert zuweilen recht stark. Während am Ende ein sehr ansehnlicher Schattendämon, der sicherlich 80% des Budgets „gefressen“ hat, für ein paar Pyro-Effekte beim Finale sorgt, durften die 3 Helden im Verlauf der Handlung jedoch auch schon gegen ein waschechtes Gummimonster kämpfen.

Der Film hat durchaus seine unterhaltsamen Momente und allein die Elfin Nemyt ist ein voyeuristisches Vergnügen. Doch durch den etwas zu kurz gekommenen Spannungsbogen und die nicht immer durchgängig zu erkennende Qualität von Story, Effekten und Ausstattung, kommt der Film bei mir leider nicht über die Mittelmäßigkeit hinaus.

Das Beste sind schon fast die Special Effects auf der Bluray, bei denen ich mich mehr amüsiert habe, als beim Film selbst:

  • Da wäre z.B. dieser Fake-Werbespot/Hilferuf des Orks, der sich die Augen lasern lassen möchte, um endlich nicht mehr versehentlich Freunde zu erschlagen.
  • Oder das Blooper Reel mit einer Danielle Chuchrant (Nemyt), die scheinbar während der Dreharbeiten manchmal mit einer Gollum-Stimme Schwachsinn vor sich hin murmeln musste.
  • Und natürlich die Einblicke in das detailverliebte Kampftraining Der Hauptakteure! Besonders Danielle macht eine gute Figur dabei und es ist offensichtlich wie trainiert und gymnastisch flexibel sie ist. Ich frage mich, ob da irgendetwas zwischen ihr und einem der Kampfchoreographen gelaufen ist? Denn da war definitiv ein Vibe zwischen ihr und so einem bärtigen Typen spürbar, der ihr in einer Szene einfach mal erregt mit der flachen Seite seines Übungsschwertes auf den Arsch haut und ihr damit nur ein herausforderndes Lächeln entlockt…

Also, wer Hardcore Fantasy Fan ist und einfach alles konsumieren muss, kann sich den Film mal ausleihen, aber ein must see ist es leider, bis auf die Extras vielleicht, bei Weitem nicht.

Über Thilo (1591 Artikel)
Hi, ich bin der Gründer dieses bekloppten Blogs. Außerdem Realitätsflüchter, Romantiker, Rollenspieler, Gamer, Fantasynerd, Kneipenphilosoph und hochstufiger Spinner. Manchmal jogge oder schwimme ich, doch meistens trinke ich Bier.

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