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Pirates of the Caribbean 5: Salazars Rache segelt am Rand des Abgrunds

BILD © The Walt Disney Company Germany GmbH

7 von 10 untoten Haien

Und das sprichwörtlich! Aber dazu später mehr.

Schon zum dritten Mal, kurz hintereinander, habe ich mir einen Film angeschaut, der auf RottenTomatoes eine unterirdische Wertung bekommen hat. Und langsam aber sicher frage ich mich, ob die rezensierenden Herrschaften dort unter der Woche genug Rum trinken? Ansonsten kann ich mir nicht vorstellen, wieso sich so vehement gegen die seichte, aber spaßige Unterhaltung eines Sommerblockbusters wie Pirates of the Caribbean 5 gewehrt wird?

Der Trick ist hier, mal wieder, keine Erwartungen zu haben. Denn im Grunde hatte Disney ja schon mit dem vierten Teil die Takelage abgefackelt, die sie in den ersten 3 Fluch der Karibik-Teilen so fachmännisch geknüpft hatten. Ein eigener Artikel ließe sich verfassen über abgeschlossene Trilogien, die in einem hässlichen 4. Teil noch einmal ihr eigentlich schon totes Haupt aus dem Wasser heben wollten.

Ich verstehe ja die Unkenrufe nach dem 4. Teil, der natürlich nicht mehr an die Großartigkeit der abgeschlossenen Handlung der genialen Trilogie anknüpfen konnte. Es gibt ja sogar Leute, die, ähnlich wie bei Matrix, nur auf den ersten Teil schwören, doch das sind Deppen, die Unrecht haben. So einfach ist das. Denn wer bekommt bitte nicht heute noch Gänsehaut, wenn Davy Jones‘ Kraken unter dröhnenden Pauken und schauriger Orgelmusik ein Piratenschiff unter Wasser zieht? Und der dritte Teil endet herrlich dramatisch und fern eines Disney-Happy Ends damit, dass Will Turner als der neue fliegende Holländer zu einer Ewigkeit auf der Flying Dutchman verurteilt ist. So hätte es bleiben sollen und die Fluch der Karibik-Trilogie wäre unsterblich geworden.

Doch leider verwässern alle weiteren Teile diese Epik zunehmend.

SPOILER ab hier!

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Denn die Handlung von Salazars Rache dreht sich um den Dreizack des Poseidon, mit dem der junge Henry seinen Vater, den Unterwasser-Charon, von seinem Fluch befreien möchte. Dazu macht er sich mit der hübschen Astrologin Carina Smyth auf die Reise und die Zuschauer können nicht anders, als einen zweiten Aufguss der Will Turner und Elizabeth Swann-Liaison auf der Zunge zu haben. Und wenn sich am Ende des Films das junge und das entfluchte, ältere Pärchen parallel in den Armen liegen, kommentiert Jack Sparrow durch sein Fernglas zurecht: „Na, das ist ja nun wirklich mal eine ekelhafte Szene!“

Aber genau darum macht der 5. Teil der Jack Sparrow-Saga immer noch Spaß: Er nimmt sich häufig nicht allzu ernst und feuert einen Spruch nach dem anderen. Zwischenzeitlich nahm die komische Seite des Films derart Überhand, gerade in den Dialogen, dass ich mich in ein grafisch aufwändiges Monkey Island versetzt fühlte. Für manche vielleicht teilweise etwas zu viel des Guten, fühlte ich mich dadurch nostalgisch gut unterhalten.

Ja, natürlich wurde recycelt und der jungfräuliche Glanz von The Curse of the Black Pearl ist schon lange ermattet. Doch trotzdem lasse ich mich gerne jeden Sommer wieder im Kino von salzigem Türkis umspülen, während ich Rum-trunken durch warmes Wasser hüpfe und Hohohoooooo singe. In der Unterhaltungswelt ist Jack Sparrow für mich sowas wie ein James Bond der sieben Meere: Ständig besoffen und überlebt, wie durch ein Wunder, auch die haarsträubendsten Situationen. Ich sage nur „Guillotine“, aber schaut euch das lieber selbst im Kino an.

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Außerdem ist der Film rein optisch eine Offenbarung. Javier Bardem ist als der untote Salazar schaurig schön in Szene gesetzt und wenn sich am Ende des Films das Meer teilt und der Stab des Poseidon seine Harry Potter-Powers sprechen lässt, dann fühle ich mich schon tief in meinem Nerd-Kern verstanden. Und wer einen köstlich verjüngten 21 Jump Street-Jack Sparrow in Augenschein nehmen will, kommt um einen Kinobesuch ohnehin nicht herum.

Also für mich ist der Fluch der Karibik selbst nach der Zerstörung von Poseidons Zepter noch nicht ganz aufgehoben. Zwar war dem Streifen anzumerken, dass hart um die Sympathie des Publikums gekämpft wurde, doch durch Altbewährtes und einen unschlagbaren Johnny Depp, hat der Kahn nochmal die Kurve gekriegt. Für den nächsten Teil, der bestimmt trotz einiger Kritiker-Verrisse kommen wird, wünsche ich mir jedoch noch etwas frischeren Wind, damit die Segel dieses Film Franchises mal wieder richtig straff im Wind stehen.

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Über Thilo (1624 Artikel)
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