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So wird Universals Dark Universe keine miefende Socke

@Universal Pictures

Jeder hätte gerne sein eigenes Universum, ist ja klar. Marvel und DC haben ihres und ich lebe in meinem aus Bier, Titten und Heroic Fantasy. Nun hat Universal, kurz vor Kinostart von Die Mumie, offiziell ihr Dark Universe angekündigt. Und wenn ihr ein Liebhaber von „edlem“, non-slasher Horror und den klassischen Monstern aus der Literatur seid, wie ich, dann haltet ihr jetzt gespannt euren Atem an. Denn das ging bereits, und kann wieder, böse in die nach-frischer-Friedhofserde-duftenden Hose gehen.

Ich bin eigentlich ein großer Fan der alten, durchaus leicht trashigen Schwarzweißfilm-Ära-Streifen, mit denen Universal seit 1923 das Bild bekannter Monster geprägt hat. Siehe dazu auch Universals Trailer:

Doch was sie in jüngerer Vergangenheit teilweise verbrochen haben, um ihren Monstern neues Leben einzuhauchen, wollen wir lieber in einen Sarg werfen und zunageln. Es war zwar nicht alles nur grottig, wie die Mumien-Trilogie mit Brendan Fraser und Rachel Weisz ab 1999 gezeigt hat, doch mussten Monster Mash-Filme wie Van Helsing wirklich sein? Die Darstellung der Monster darin war teilweise eine Beleidigung für ihre jeweiligen Erfinder.

Und wir wollen auch nicht unter den transsilvanischen Teppich kehren, dass Universal eigentlich den brutal gefloppten Dracula Untold als Startschuss für ihr neues Dark Universe benutzen wollte. Doch glücklicherweise nahmen sich die Herrschaften DC zum Vorbild, welches ja auch Green Lantern in den Shredder warf und nach einem neuen Startschuss suchte.

Nun sollen uns, als neuer Startschuss, Tom Cruise und Sofia Boutella in einer modernen Neuauflage der Mumie das Fürchten UND gute Unterhaltung lehren. Der Trailer scheint letztere Prämisse zunächst mal zu erfüllen, aber werden wir die Monster und das DARK Universe danach wirklich ernst nehmen können? Marvel hat mit seinen Filmen bisher schön gezeigt, dass ernste Themen und emotionaler Impact durchaus mit Comic Relief zu verbinden sind, ohne dass das Gesamtwerk darunter leidet.

@Universal Pictures

Bitte gebt uns ein ernstzunehmendes UND unterhaltsames Dark Universe!

Ich fände folgendes Vorgehen für ein gelungenes Dark Universe wichtig: Die meisten Monster müssen vielleicht etwas weiterentwickelt und „gepimpt“ werden, ohne jedoch das literarische Vorbild mit Füßen zu treten. Denn kein Film wird jemals so genial sein wie das Buch Mary Shelley’s Frankenstein.

Hier meine Wünsche für die Filme, die Universal bisher angekündigt hat (und solche, die vermutlich noch folgen werden):

Bride of Frankenstein: Ok, ich habe nie verstanden, warum eine Randfigur in Frankenstein zu einem eigenen Film gemacht wird. Aber wenn Mary Shelleys Gesellschaftskritik und ihre zeitlosen Denkanstöße, wie das „Schöpfer und Schöpfung-Debakel“ nicht unter den Popcorn-Teppich gekehrt werden, dann ist Javier Bardem als Professor Frankenstein sicherlich keine schlechte Besetzung.

The Invisible Man: Hier fand ich Paul Verhoeven’s Hollow Man von 2000 mit Kevin Bacon eigentlich gar nicht SO schlecht… Johnny Depp ist natürlich ein genialer Schauspieler für nahezu jede Rolle. Wenn er den schleichend einsetzenden Größenwahn gut rüber bringt, habe ich sonst kaum Erwartungen an den Film.

The Wolf Man: OMG, bitte nicht noch mal so einen langweiligen Reinfall wie Joe Johnstons „Wölfchen“ mit Benicio del Toro und Anthony Hopkins! Schaut euch doch mal in der Filmwelt und Popkultur um, liebe Filmemacher. Der Wolfmann hat sich weiter entwickelt und ist zu einem waschechten Werwolf geworden. Seit American Werwolf will niemand mehr einen unrasierten Penner mit unnatürlich starkem Bartwuchs als Monster sehen. Gebt uns eine furchteinflößende Bestie! Eine Kreatur, die, in einer schmerzhaften Metamorphose von Mensch zu Wolf stecken geblieben, ihre Pein ins Mondlicht heult! Auch keinen Twilight- oder True Blood-Schäferhund bitte! DANKE.

Phantom of the Opera: Das Phantom habe ich unterbewusst irgendwie immer aus meinem persönlichen Monsterkanon verbannt. Denn ich suche vergeblich das Monster! Wieso ist ein Typ, der mal versehentlich mit dem Gesicht auf den heißen Toaster gefallen ist und nun seinen Schmerz mit Orgelspielen verarbeitet gruselig?

The Hunchback of Notre Dame: dasselbe gilt für unseren Freund Quasimodo. Jemanden mit Buckel ein Monster zu nennen, ist schon sehr mittelalterlich. Da müssten neben dem gebückten Gang aber noch mehr „Monster Features“ aufgefahren werden, damit Esmeralda keinen Lachanfall bekommt.

Dracula: Es gibt eigentlich schon einige schöne Vampirfilme und ich mochte sogar Bram Stoker’s Dracula mit Gary Oldman. Universal sollte sich einfach auf die ältesten Mythen des gequälten Unsterblichen besinnen und mystische Mädchenfantasien von unermüdlichen Liebhabern, die im Sonnenlicht funkeln, außen vor lassen. Das sollte doch machbar sein, oder?

Creature from the Black Lagoon: Oh, damit ließen sich auch tolle Monsterfilme basteln! So eine Mischung aus der weiße Hai und Das Ding aus dem Sumpf vielleicht? Da bin ich eigentlich für vieles offen. Das Setting wird hier die Atmosphäre vorgeben. Die Kreatur könnte sich immer nachts an Bord eines Luxusdampfers schleichen, die Urlauber in ihren Hütten auf den Malediven behelligen oder eher klassisch eine Expedition in irgendwelche Sümpfe zum Alptraum werden lassen.

Ansonsten stehen Universal ja noch jede Menge Aliens, Goblins und andere Schergen der Nacht zur Verfügung, um ihr Dark Universe nahezu unendlich lange mit Inhalt zu füllen. Was haltet ihr bisher von Universals Plänen?

Über Thilo (1624 Artikel)
Hi, ich bin der Gründer dieses bekloppten Blogs. Außerdem Realitätsflüchter, Romantiker, Rollenspieler, Gamer, Fantasynerd, Kneipenphilosoph und hochstufiger Spinner. Manchmal jogge oder schwimme ich, doch meistens trinke ich Bier.

1 Kommentar zu So wird Universals Dark Universe keine miefende Socke

  1. sieht eher nach hochglanz mit hemd und krawatte aus. wie sagte der zen meister noch, man wird sehen.

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