Fantasy


Fantasy hat seit frühester Kindheit immer eine Rolle für mich gespielt. Auf dem großen waldartigen Grundstück eines Freundes sind wir mit Stöcken als Schwerter gegen Heerscharen des Bösen zu Felde gerückt. Das übernatürliche, märchenhafte und magische hat mich in Filmen, Spielen und Büchern bis heute stets begleitet. Die aus verschiedenen Mythen, Sagen und Legenden entliehenen Motive habe ich dann später in der Literatur während des Studiums wieder entdeckt und mir wurde klar: Sagengestalten wie Drachen, Riesen und Zauberer haben die Menschheit zu allen Zeiten interessiert und verzaubert.

In seinem Aufsatz “On Fairy Stories” von 1937 hat Tolkien das Genre “Fantasy” in Büchern als Fluchtmöglichkeit aus dem Alltag beschrieben. Für ihn war diese Art des Eskapismus, die Verzauberung durch Mythen und Legenden, ein legitimer und erstrebenswerter Weg bisher unerfüllte Sehnsüchte zu befriedigen. Auch ich weiß dieses Träumen und Verdrängen zu schätzen, besonders, weil es mich in düsteren Zeiten meines Lebens aufzuheitern und aufzurichten wusste. Deshalb steht auch dieser Fantasy Blog unter dem Motto eines dazu passenden Zitates des genialen Poeten, Dandys und Lebemannes Oscar Wilde: „Illusion is the first of all pleasures“ (Die Illusion ist das größte aller Vergnügen).

Fantasy ist natürlich ein sehr weitläufiges und komplexes Genre und die klare Abgrenzung von z.B. Horror und Science Fiction ist häufig nicht so leicht. Lovecrafts gesamter Cthulhu-Mythos z.B. ist eine Melange aus Science-Fiction-, Horror- und Fantasy-Elementen. Die meisten Filme, Bücher und Spiele sind solche Hybridformen, welche ihrerseits neue Subgenres der Fantasy hervorgebracht haben. Im Folgenden möchte ich einen kurzen Überblick über alle „Spielarten“ des Genres Fantasy geben.

High Fantasy, Epic Fantasy, Classic Fantasy

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Die epische Variante des Fantasy spielt meist in einer mittelalterlichen Welt und weißt eine starke Betonung der Magie auf. Hier können Zauberer Berge versetzen, Städte fliegen von Geisterhand über dem Erdboden und Helden tragen magisch glühende Zauberschwerter. Häufig orientieren sich Filme und Bücher aus dem Genre des “High Fantasy” an Tolkiens Herr der Ringe: Ein Held oder eine Gruppe von Helden müssen ein magisches Artefakt zerstören, einen uralten Zauber brechen oder einen dunklen Herrscher besiegen.

Low Fantasy, Sword and Sorcery, Heroic Fantasy, Pulp Fantasy

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Im Zentrum der Handlung steht hier meistens ein einsamer und unerschrockener Held, ein “Lone Wolf”, der sich natürlichen und übernatürlichen Gefahren stellen muss. Häufig hat dieses Genre einen trashigen Beigeschmack, was ihm auch den Namen “Pulp Fantasy” eigebracht hat. Besonders in Filmen des Genres hat man es häufig mit leicht bekleideten Frauen, muskelbepackten Helden und sehr plakativer und blutiger Gewalt zu tun. Barbaren wie Conan von Robert E. Howard haben dieses Genre groß gemacht.

Urban Fantasy, Contemporary Fantasy

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In der Urban Fantasy gibt es immer einen klaren Realitätsbezug. In Filmen oder Romanen, die meistens in der Gegenwart spielen, verschmelzen reale und fantastische Komponenten zu einer neuen Einheit. Häufig gibt es Portale, durch die die Protagonisten in eine andere Welt gelangen und dort Abenteuer erleben. Manchmal ist es auch umgekehrt und Fabelwesen wie Engel, Dämonen, Vampire oder Hexen dringen in unsere Wirklichkeit ein. Die unendliche Geschichte von Michael Ende oder Märchenmond von Wolfgang und Heike Hohlbein sind Beispiele für diese Art von Fantasy.

Märchen, Fairy Tales, Kunstmärchen

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In Märchen wird die Welt stets schwarz und weiß gemalt: Das Gute muss belohnt und das Böse muss bestraft werden. Diese Art der “poetischen Fantasy” erzählt von sagenhaften Königen, jungfräulichen Prinzessinnen, Feen, Zauberern, Zwergen, Hexen, Drachen, Trollen, Riesen, Kobolden, Nixen und sprechenden Tieren. Aus den Märchen stammen auch viele der heute noch in Fantasy Rollenspielen verwendeten magischen Gegenstände wie Siebenmeilenstiefel, Tarnkappen, Zauberspiegel oder fliegenden Teppiche. Märchen können erheiternd, aber auch sehr grausam sein und beinhalten im Kern häufig eine bestimmte Botschaft.

Science Fantasy, Steam Punk, Cyberpunk

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In dieser Art Fantasy findet man Science-Fiction-Elemente wie neuartige Technologien, fremde Welten im All und Außerirdische mit Magie und übernatürlichen Elementen gekoppelt. Die “Space Opera” Star Wars mit ihren Raumschiffen und mystischen Jedi-Rittern ist ein gutes Beispiel dafür. Aber auch alle Varianten von Cyberpunk, Dieselpunk, Atompunk, Nanopunk, Postcyberpunk, Steampunk, Clockpunk und Biopunk können häufig mit Zauberkräften oder fantastischen Wesen vermischt sein.

Dark Fantasy, Gothic Fantasy

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In der Dark Fantasy vermischen sich traumartige und märchenhafte Züge mit düsteren und unheimlichen Horror Elementen. Vampire, Werwölfe und andere Unholde bevölkern hier die düsteren Schauplätze der Handlung wie unheimliche Friedhöfe, gotische Schlösser oder verlassene Geisterstädte. Häufig spielen auch Leidenschaft und Erotik eine größere Rolle in diesem Genre des Fantasy. Der Hexer-Zyklus von Andrzej Sapkowski ist ein gutes Beispiel dafür. Aber auch Bram Stokers Dracula offenbart in der Beziehung zwischen Mina und dem blutrünstigen Grafen diese Vermischung von Erotik und Entsetzen.

Comedy Fantasy

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Ein humorvoller oder ironischer Umgang mit bekannten Fantasy-Motiven ist in der “humoristischen Fantasy” der Dreh- und Angelpunkt der Geschichten. Häufig werden auch Klischees aus klassischen Legenden und Mythen gezielt auf die Schippe genommen. In der Literatur hat es besonders Terry Pratchetts Scheibenwelt-Zyklus zu einem enormen Bekanntheitsgrad gebracht. Aber auch filmische Versuche das Genre der Fantasy auf den Arm zu nehmen, wie The Princess Bride, sind in der deutschen Filmlandschaft nicht unbekannt.

Historical Fantasy, Mythic Fantasy, Sword-and-Sandal

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“Historical Fantasy” vermischt wie die “Urban Fantasy” fantastische Elemente mit der real existierenden Welt, nur mit dem Unterschied, dass bereits vergangene, geschichtliche Ereignisse neu erzählt werden. Diese pseudo-historischen Geschichten spielen meist im Mittelalter, der Antike oder sogar in der Steinzeit (Prehistoric Fantasy) und stellen den Aberglauben vergangener Generationen als begründete Erfahrungswerte dar. Druiden hatten demnach wirklich magische Kräfte und andere Gestalten aus fantastischen Sagen und Legenden hat es in Büchern und Filmen dieses Fantasy Genres wirklich gegeben.

Superhero Fantasy

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Superhelden haben durch die Welt der Comics einen so großen Stellenwert in der Populärkultur erreicht, dass sie sich eine eigene Fantasy-Gattung verdient haben. In der “Superhero Fantasy” hat ein bestimmtes Individuum durch Gen-Mutation, einen wissenschaftlichen Unfall, außerirdischen Einfluss oder gänzlich andere Gründe übermenschliche Fähigkeiten. Diese benutzt es entweder, um die Menschheit zu beschützen oder, im Fall eines Bösewichts, um sie zu unterwerfen. Es führt meist ein Doppelleben und trägt sowohl eine Maske, als auch einen besonderen Superhelden-Namen. In den USA der 1930er Jahre stand Superman als erste Superheldenfigur für unsere Machtfantasien und unser Bedürfnis nach Schutz gleichermaßen.

Asian Fantasy

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Eigentlich ist die “Asian Fantasy” von mir erfunden und keine eigene Fantasy Gattung. Doch die Welt der Mangas, Animes und Hentais ist durch die kulturelle Prägung, insbesondere durch Japan, teilweise so anders als “europäische bzw. nicht-asiatische Fantasy”, dass ich ihr hier einen eigenen Platz einräumen möchte. Natürlich sind Fantasy Bücher, Filme und Spiele aus dem asiatischen Raum besonders durch die ganz eigene Philosophie und Kampfkunst der entsprechenden Länder geprägt. Samurai, Ninja und Naturgeister sorgen für eine ganz eigene Atmosphäre in dieser Art Fantasy. Filme wie Tiger and Dragon oder Chinese Ghost Story wissen so auf ihre ganz eigene Weise zu faszinieren.