Return to Monkey Island Review

8 von 10 Piratenkopierschutzscheiben

Neben Lucas Arts-Spielen wie Maniac Mansion und Indiana Jones and the Last Crusade ist The Secret of Monkey Island für mehrere Generationen von Gamern absoluter Kult. Ebenso seine Nachfolger.

Kein Wunder also, dass nach all den Jahren Return to Monkey Island sehnlichst erwartet wurde und nun als popkulturelles Phänomen in aller Munde ist. Gerade neulich erwähnte Jan Böhmermann das Click Adventure in einem seiner Kalauer bei ZDF Magazin Royale.

Und nun habe ich es endlich durchgespielt. Und das mit der wenigen Zeit, die mir als Familienvater, Autor und stets verplanter Beinahe-ADHSler bleibt.

Und da wären wir auch schon bei der Grundlage meines Reviews: Nicht nur Monkey Island hat sich verändert, auch ich habe mich verändert. Wie sich das wohl auf meine abschließende Bewertung auswirkt? Und…

Ist Return to Monkey Island überhaupt gut?

Kurze Antwort: Ja.

Ich liebe es und weiß gar nicht, wo ich mit meiner Lobeshymne anfangen soll.

So viele Szenen, Dialoge, Witze und Details haben das Spiel für mich zu einer gelungenen Feierabend-Beschäftigung gemacht, für die ich sogar mal Netflix und Co. ausgelassen habe. Und das will wohl was heißen!

Von der guten alten Scumm-Bar, in der nun eine Metal-Version des altbekannten Piratenlieds dudelt, über die Rückkehr des sadistischen Totenkopfs Murray aus Monkey Island 3, bis hin zum skurrilen, oft schwarzen Humor des Spiels – es war mir ein feuchtfröhliches Fest.

Das Tutorial am Anfang hätte ich zwar nicht unbedingt gebraucht, hat aber trotzdem sehr atmosphärisch ins Spiel hineingeführt. Die danach folgenden 5 Teile waren für mich eine sehr ausgewogene Mischung aus Nostalgie und Neuem.

Zu Melee Island zurückzukehren und alte Bekannte mit neuen Missionen wiederzutreffen, hat ein wunderbar warmes Gefühl in meiner Magengrube ausgelöst, wie es sonst nur metallbecherfressender Grog vermag. Genau wie alle anderen neuaufgelegten Klassiker aus der Welt von Monkey Island: Dialog-Duelle beim Kämpfen, schräge Wettbewerbe oder Guybrushs Fähigkeit abnorm lange die Luft anzuhalten…

Die Rätsel an sich waren für mich dabei eine gute Mischung aus “sehr offensichtlich” bis “scheiße, ich muss noch mal mein Inventar durchgehen, ich bin bestimmt nur blind” im Schwierigkeitsgrad.

Da wir im Internetzeitalter leben und ohnehin alles googeln können, hat das Entwicklerteam dankenswerter Weise ein Buch mit Hilfestellungen in Guybrushs Inventar gepackt, in das ich aber nicht häufig schauen musste.

Trotzdem war ich froh, dass es da war und mir allzu großen Frust und zeitraubendes Googeln erspart hat. Denn ich bin eben kein Schüler mit unendlich Zeit mehr, der stundenlang dieselben Orte im Spiel bereisen und Items kombinieren kann, bis er endlich auf die Lösung stößt. Leider sind diese sorglosen Zeiten vorbei.

Und mein Alter ist es auch, das mich einen anderen Aspekt des Spiels positiv hat wahrnehmen lassen:

Die Grafik von Return to Monkey Island

Da hatte es im Vorfeld ja doch den einen oder anderen empörten Aufschrei gegeben.

Ich muss aber sagen, dass ich mich sehr schnell an die neue Cartoon-Grafik gewöhnt hatte. Was vielleicht auch daran lag, dass ich diese schräge “Day of the Tentacle“-Grafik ja schon aus Monkey Island 3 kannte, wo ich sie ebenfalls passend fand.

Außerdem bin ich mir nicht sicher, ob meine “Triple A-Grafik-verwöhnten Augen des peinlichen alten weißen Mannes” nochmal so viele Stunden Pixelgrafik am Stück durchgestanden hätten.

Versteht mich nicht falsch. Ich bin ein Retro-Nostalgiker der übelsten Sorte. Ich LIEBE Pixelgrafik immer noch. Doch ich bin auch älter geworden.

Wäre ein Return to Monkey Island in Pixelgrafik romantische Gefühlswallung oder schlicht Augenkrebs gewesen? – keine Ahnung!

Wichtig ist nur, dass die neue Grafik mir nichts am Spielspaß genommen hat. Eher im Gegenteil.

Einen Wermutstropfen gibt es dann aber doch.

FETTE SPOILER VORAUS, KÄPTN!

… !

Das Ende von Return to Monkey Island

…hat mich geringfügig enttäuscht.

Vor allem, weil es fast identisch zu Big Whoop in Monkey Island 2: LeChuck’s Revenge ist.

Ron Gilbert scheint ein Riesenfan von Meta-Enden zu sein.

Nein, nicht Mett-Enden. META-Enden!

Enden, wo nicht ganz klar ist, was das Ende überhaupt ist bzw. dieser “alles war nur ein Traum”-Effekt auftritt. Auch in Thimbleweed Park, das ich aus genannten “erwachsenen” Gründen mangelnder Zeit nicht zu Ende spielen konnte (nun, aber nachholen will) soll es ein bizarres Twin Peaks-artiges Ende geben.

Aber es jetzt schon wieder zu machen?

Wir waren die ganze Zeit in einer Rummel-Attraktion von Stan und alles, was wir bekamen, war dieses lausige T-Shirt? Echt jetzt? Und auch die Frage…

Was ist denn jetzt das Geheimnis von Monkey Island?

…wird im Prinzip nicht beantwortet.

Dass jeder Spieler sein eigenes Ende, bzw. seinen eigenen Sinn, wählen kann, hat natürlich auch einen gewissen Charme. Einen META-Charme. Aber Eier hat es nicht.

Und genau die müsste man vielleicht auch mal haben, oder?

Ich meine, als Romanautor muss ich auch die Eier haben mich für ein konkretes Ende meiner Geschichte zu entscheiden… da kann ich auch nicht am Ende des Buches dem Leser eine Liste abdrucken mit der Ansage, sich bitte das gewünschte Ende auszusuchen. Das würde irgendwie billig und nicht rund wirken.

Also, nicht, dass ich ein besseres Ende für Return to Monkey Island gewusst hätte. Aber das ist ja eben auch nicht meine Aufgabe als Spieler.

Trotzdem muss ich einen Punkt in der Endbewertung dafür abziehen.

Was aber meiner absoluten Empfehlung nicht im Weg steht.

Return to Monkey Island ist ein würdiger Trip in unsere Kindheit und macht von vorne bis hinten Spaß.

Und da in diesem Leben ja bekanntlich der Weg das Ziel ist, kommt dem Ende ja nur eine untergeordnete Bedeutung zu.

In diesem Sinne: Zockt es!

Über Thilo (1163 Artikel)
Hi, ich bin der Gründer dieses bekloppten Blogs. Außerdem Realitätsflüchter, Romantiker, Rollenspieler, Gamer, Fantasynerd, Kneipenphilosoph und hochstufiger Spinner. Manchmal jogge oder schwimme ich, doch meistens trinke ich Bier.