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Aus den Bandagen der Mumie hätten sie lieber Klopapier gemacht

3 von 10 geifernden Zombies

Jetzt weiß ich, warum Universal ihr neues Vorhaben „Dark Universe“ getauft hat. Weil so tief im Arsch einfach keine Sonne scheint. Noch besser wäre demnach „Dark and Smelly Universe“ gewesen. „Out of the Ass Galaxy“.

Tiefer Seufzer.

Bis kurz vor Filmbeginn klammerte sich der Monster Lover in mir noch an eine kindische Hoffnung. Der Trailer hatte doch immerhin nach einem unterhaltsamen CGI-Spektakel ausgesehen.

Vielleicht hatten die Kritiker auf Rotten Tomatoes ja (mal wieder) zu kleinlich auf dem Seziertisch von Universals Monster Properties herumgestochert?

Nein, leider ist die Wertung diesmal annähernd akkurat. Obwohl sich Die Mumie mit viel Action und Getöse im Wüstensetting wie ein Indiana Jones Abenteuer anlässt, wird doch schnell die Sinnlosigkeit des Drehbuchs offensichtlich. Die albernen Dialoge und Handlungen lassen dabei selbst Schauspielgrößen wie Tom Cruise wie B-Class actors dastehen. Und scheinbar konnte oder wollte sich Universal auch nicht entscheiden, ob Die Mumie nun eine humorvolle Verbeugung vor den Brendan Fraser-Abenteuern oder eine eher düstere Horrorversion des Stoffes sein soll. Mal wird Tom Cruise von Ahmanet, dem geilen, tätowierten, untoten Luder aus Ägypten, auf einem Altar durchgekitzelt und mal sollen wir uns durch Jump Scares und kriechende Untote in die Hose machen. Das Ergebnis ist eine seltsame Mischung ohne jede Atmosphäre. Ich fühlte mich an Gurken wie League of Extraordinary Gentlemen zurück erinnert.

Tatsächlich ist die algerische Sofia Boutella in der Rolle der weiblichen Mumie das Beste am Film. Sowohl ihre natürliche exotische Ausstrahlung, als auch ihre Rolle haben seltsame Gelüste in mir geweckt, von denen ich noch nicht mal wusste, dass sie sich in den tiefen meiner schwarzen Seele vor dem Sonnenlicht verstecken. Doch sowohl Nick Morton (Tom Cruise), der Allan Quatermain für Arme, als auch seinen „Love“ Interest, Jenny Halsey (Annabelle Wallis), wollte ich die meiste Zeit nur mit einem Paddel gegen den Kopf hauen. So richtig schön mit Kawumms von rechts, in der Hoffnung, dass dann links etwas von der Unglaubwürdigkeit ihrer Gefühle und Dummheit ihrer Rollen heraus fällt wie alter, ägyptischer Dreck.

Vollkommen überflüssig erschien mir der von American Werwolf geklaute Zombie-Geist, der Nick auf sein neues Leben als Auserwählter Ahmanets vorbereiten soll. Wie der gesamt Film war er weder lustig noch schaurig, sondern einfach nur da. Mit seinem einem milchigen Auge. Aber so wirklich abgeschossen und über der Jauchegrube abstürzen lassen hat Universal den Vogel mit ihrer Version des Dr. Jekyll. Zunächst mal ist Russell Crowe ein Miscast. Oder anders ausgedrückt: Der Mann ist in der Rolle wie ein Geldschein im Lagerfeuer, damit es höher brennt. Wieso? Warum nur? Jeder hätte die Rolle spielen können. Russell Crowe soll einfach Gladiator 2 machen oder Primeln züchten, aber nicht meine Erinnerung an einen charismatischen Schauspieler mit Kot bewerfen. Und warum schnallt Universal nicht, dass manchmal weniger mehr ist? Dass die Phantome in unseren Köpfen manchmal viel grausiger sind, als der mit Gewalt vor die Kamera gezerrte Horror? Jeder DEPP weiß doch, dass sich der arme Jekyll manchmal in das Arschloch Mr. Hyde verwandelt. Muss dann Russell wirklich andauernd wie ein Drogenabhängiger zu seinem Schreibtisch rennen und sich eine Viererbatterie gelb leuchtende Scheisse in den Arm jagen, um seine bereits entgleisende Visage unter Kontrolle zu bekommen? Und wieso trägt er das Serum nicht bei sich, wenn das alles so unberechenbar und gefährlich ist?

Schade. Ist einfach alles sehr schade. Gerade wenn Dr. Jekyll in kommenden Filmen als Knotenpunkt des „Prodigiums“, dieser albernen Monster-Aufklärungs-Organisation, hätte dienen sollen, wäre doch noch genug Zeit gewesen ihn näher zu beleuchten, geschweige denn, ihn mal als Mr. Hyde durchtitschen zu lassen. Subtile Andeutungen und das Wissen des Zuschauers wären viel gruseliger gewesen als dieser Schlag mit der Bratpfanne.

Ich könnte mich jetzt noch länger und über viel aufregen. Über die Skelette, die mit ihren fleischlosen Armen besser tauchen können, als Rettungsschwimmer aus Atlantis. Über die vielen geklauten Elemente wie das Gesicht im Sandsturm oder den Zombiegeist. Über die dämlichen Dialoge. Und natürlich über das antiklimaktische, unlogische Ende, dass die Mumie kurz wegschrumpeln und Tom Cruise als Halb-Mumien-Todesgott-auf-Probe-Bekloppten durch die Wüste zu neuem Bullshit davon reiten lässt.

Es gab keine Abspannszene, um die nächsten Filme anzuteasern.

Vielleicht wurde die auch im letzten Moment wieder rausgeschnitten, als die Macher den Film mal nüchtern angeguckt haben.

Schade. Dark Universe, wir warten weiterhin auf Deinen Startschuss.

Über Thilo (1636 Artikel)
<p>Hi, ich bin der Gründer dieses bekloppten Blogs. Außerdem Realitätsflüchter, Romantiker, Rollenspieler, Gamer, Fantasynerd, Kneipenphilosoph und hochstufiger Spinner. Manchmal jogge oder schwimme ich, doch meistens trinke ich Bier.</p>

3 Kommentare zu Aus den Bandagen der Mumie hätten sie lieber Klopapier gemacht

  1. Lieber Thilo. Wie immer spiegelt Dein Review ziemlich genau meine Meinung wieder.
    Ich war im Autokino und hatte Mühe, nicht völlig gelangweilt aufs Lenkrad zu sinken und dadurch die Hupe zu betätigen…

  2. hurra ich bin nicht allein!

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