80er Fantasy-Trash, heute: Wizards of the Lost Kingdom

© Concorde Pictures Juno Media (video)

Trashfilm-Abend mit dem besten Kumpel?

Es gibt nur wenig, was da mithalten kann.

Auch wenn geistige Schäden kein Witz sind und ihr aufpassen solltet, was da über eure Netzhaut flimmern darf.

In den 80ern ist nach dem Erfolg von Conan durch ambitionierte Trittbrettfahrer eine ungeheure Menge Fantasy-Trash entstanden.

Vor Lachen teures Sushi spucken! Elite.

Wizards of the Lost Kingdom, den uns Amazon Prime gestern für unseren erlesenen Geschmack vorschlug, gehört auch dazu.

Der argentinisch-amerikanische Sword & Sorcery-Film von 1985 ist eins von 10 Machwerken, die der legendäre Roger Corman (The Pope of Pop Cinema) in den 80ern produzierte.

Und… HEIDEWITZKA! Über den hätte ich mich selbst als Kind totgelacht.

Aber eins nach dem anderen.

Marcus, mein tapferer Wingman auf dieser Trash-Mission, bemerkte zunächst prustend:

„So einen billigen Trash glotzen, aber sich dabei schön Sushi für 50€ gönnen.“

Ich musste in sein Gelächter einstimmen und ihm recht geben: Da hatten wir einen Kontrast erschaffen, der es wirklich in sich hatte. Und so war schnell ein neues Hobby (und vielleicht eine neue Artikelserie für diesen Blog) geboren:

Wir schauen Fantasyrotz, dessen Produktionskosten unter dem Preis unseres Essens liegt.

HAHAHAHAHAHA… äh, na zumindest auf einer metaphorischen Ebene.

Aber worum geht es überhaupt in Wizards of the Lost Kingdom?

Sieh meine leuchtenden Fingerspitzen! © Concorde Pictures Juno Media (video)

Tja, das wissen wir selbst nicht so genau.

Das folgende habe ich mir nicht ausgedacht. Es kommt wirklich alles so im Film vor.

Inmitten von grauenvollen Darstellern, grottigen Spezialeffekten und albernen Pappmache-Kulissen entfaltet sich eine Geschichte, die von meinem Sohn stammen könnte (Mein Sohn ist 5 und spinnt gerne rum).

Im Königreich Axeholme regiert das Chaos. Schwarze Magie und tödliche Kämpfe sind an der Tagesordnung.

Um diesem konstruktiven Trend nicht im Wege zu stehen, entschließt sich der böse Magier Shurka den König zu töten und sich selbst dessen amoralische Gemahlin zu gönnen.

(Den Schurken des Films Shurka zu nennen, um dessen Gesinnung über jeden Zweifel erhaben sein zu lassen, halte ich für brillant.)

Um alles einzutüten, muss Shurka nun nur noch den guten Hofmagier Wulfrik und dessen Teen-Sohn Simon aus dem Weg räumen. Doch bevor er stirbt, kann Wulfrik seinem Sohn noch den magischen Superring der Magie in die Hand drücken und ihn aus dem Palast, Entschuldigung, aus dem riesigen Karton mit Fenstern beamen.

Nur leider lässt Simon den Ring kurz vorher einfach fallen.

In der Wildnis überkommt ihn deswegen Trauer: OH NEIN, ich verlor den Ring! (Vielleicht hätte er ihn dann nicht einfach wegwerfen sollen…)

Warum bin ich so dumm, Fellfreund? © Concorde Pictures Juno Media (video)

Doch, den Göttern seiner bekloppten Welt sei Dank, hat er wenigstens seinen lebenden Bettvorleger als Weggefährten dabei. Leider kann der überdimensionale Teddy ohne Gesichtszüge weder sprechen, noch bei irgendwas helfen. Ich vermute, dass er von Wulfrik erschaffen wurde, um Simon als lebender Boxsack für pubertäre Aggressionen zu dienen. Armes Vieh.

Umso glücklicher, dass sie dem „Helden“ Kor, dem Eroberer, über den Weg laufen.

Dieser ist das lebende Beispiel für den lieblos zusammengewürfelten D&D-Krieger, der am Ende keine Punkte für Intelligenz oder Charisma mehr übrighatte. Was sich auch in seinen Idealen und seinem noblen Ansinnen in der Welt widerspiegelt: Wein. Im Verlauf des Films kippt er gedankenlos alles runter, was ihm dargereicht wird. Niemanden könnte man so leicht mit Gift töten wie Kor, den hirnlosen Säufer…

Was dem Trüppchen auf dem Weg zurück zum Palast dann so alles über den Weg läuft, hat uns die meiste Zeit wahnsinnig lachen lassen. Alles ist so absolut willkürlich, deplatziert und unlogisch, dass Lachen vermutlich eine normale Schutzfunktion unseres Gehirns war:

  • Nymphen, die sich in Insekten verwandeln, um sich von Simon abstechen zu lassen.
  • Untote Krieger, die Simon zu ihrer Unterstützung beschwört, die jedoch von Kor – in offensichtlichem Schnittmaterial aus einem ganz anderen Film – enthauptet werden, und dann mit intakten Köpfen wieder in der Erde versinken.
  • Der kurze Zwischenstopp bei Hobgoblin Hurla und der Angriff der Echsenmenschen, deren Anführer Simon einfach desintegriert, obwohl er immer wieder betont, dass er nur innerhalb der Mauern des Schlosses Magie wirken kann.
  • Die „Höhle der Selbstmörder“, in der Geister umherfliegen, die Kor mit einem schlechten Lied besiegt.
  • Die Ritter mit albernen Helmen, die sich als heiratswütige Zyklopen entpuppen.
  • Die Meerjungfrau im Fluss, die sie verarscht und ihnen dann eine Regenbogenbrücke baut, die sie nicht benutzen.
  • Und am Ende die Konfrontation mit Shurka, einem epischen Kampf zwischen schwarzer und weißer Magie (im Film blau und rot), der mega spannend ist. Nicht. Wie immer desintegriert Simon seinen Gegner einfach plötzlich. Zack, Ende.

Simon lässt dies jedoch alles kalt. Ich weiß nicht, ob der Schauspieler unter einer Gesichtslähmung litt, doch Trauer, Freude, Scham und Lust waren ein und dasselbe auf seinem Antlitz.

Dagegen war das selbstgefällige Lächeln von Shurka, wenn dieser mal wieder ein paar Leute mit einer gelangweilten Handbewegung einfach verschwinden ließ, geradezu Oskar-reif.

Am Ende hatten wir Tränen gelacht und fühlten uns wie von einem überdimensionalen Plüschtier missbraucht.

Dass die Tonspur des Films manchmal Deutsch und manchmal Englisch war, völlig random, spielt dabei schon gar keine Rolle mehr.

Falls ihr euch diesen „Ritt“ auch mal gönnen wollt, schlage ich eine ausreichend große Kiste Reisbier vor, wie wir sie hatten. Andere Alkoholika tun es aber sicher auch.

Die Mächte des Lichts – Sorceress

© New World Pictures

Da der Abend noch jung war, gönnten wir uns noch ein anderes Schmankerl von Corman:

Die Mächte des Lichts (Im Original: Sorceress) von 1982, aus dessen Schnittmaterial ganz offensichtlich Wizards of the Lost Kindom hervorgegangen war.

Wir waren ziemlich baff, viele Szenen schon zu kennen und ein Nachschlagen auf Wikipedia bestätigte es:

Corman arbeitete aus Geldnöten heraus „sehr wirtschaftlich“ und benutzte in allen seinen Filmen, wie den Deathstalker-Teilen, Barbarian Queen, Amazons oder The Warrior and the Sorceress, immer wieder dasselbe Material, welches er nur mit anderer Tonspur unterlegte.

Ziemlich schlau.

Warum aus einem Film nicht einfach 10 machen? Top!

Und auch beim Soundtrack lässt sich sparen, wenn man einfach jeden Film mit dem Theme von Sador – Herrscher im Weltraum (Original: Battle Beyond the Stars) von 1980 unterlegt. Der wäre auch ein eigenes Review wert.

Die Mächte des Lichts (oder Sorceress) war im Prinzip derselbe Film wie Wizards of the Lost Kindom, nur etwas hochwertiger und weniger Hirnmasse-zersetzend. Statt Säuferheld, Teen-Mage und lebendem Bettvorleger gab es zwei nackte Superschwestern, einen 2-Meter-Zwerg und einen notgeilen Satyr, der ständig wie eine Ziege meckern musste. Solide.

Was bleibt mir zu sagen?

DANKE an Roger Corman für das gnadenlose Umsetzen aller seiner filmischen Visionen! Ohne ihn, wäre das Hobby des Trashfilm-Abends nicht dasselbe.

Wizards of the Lost Kingdom | Trailer (deutsch) ᴴᴰ

© New World Pictures

Über Thilo (1094 Artikel)
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