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Filmkritik Prometheus: Ist Ridley Scott ein Affe?

5 von 10 schwarzen DNA-Gülle-Ekel-Tröpfchen

Oder hat er das Drehbuch zu Prometheus einen Affen schreiben lassen? Anders kann ich mir diese optisch aufregende, aber inhaltlich so absurde Reise in die Tiefen des Alls nicht erklären.

Ich bin was Space Horror anbelangt sicherlich einer der krassesten Alien-Nerds und Scott-Fans unter der Sonne. Insofern war ich der festen Überzeugung – insbesondere nach dem Hype im Vorfeld, der von Scotts eigenen mystischen und aufschneiderischen Andeutungen angeheizt wurde – dass Prometheus ein wahres Juwel der Science Fiction-Filmgeschichte werden würde; ähnlich verzückend, wie es von Robo-Fassbender oben in der Hand gehalten wird.

Um es mit dem Ausruf, der auch im Film vorkommt, zu sagen: „I was wrong, I was SO wrong!“

Wer den Film noch sehen und sich als Alien-Fan mal so richtig aufregen möchte, der sollte nun nicht weiter lesen. Im Folgenden werde ich mich nämlich Spoiler-schwanger über die scheinbar mit dem groben Holzhammer zusammen gekloppten Story-Komponenten ärgern als gäbs kein Morgen.

Yeah! Willkürlicher Alien-Mystik-Irgendwas-Film: Abflug!

Der Bekloppte vom Nerd Wiki gibt diesem angepriesenen Film, der selbst bei Rotten Tomatoes immerhin über 70% bekommen hat, magere 5 von 10 Punkten? Da ist wohl jemand in seinen Erwartungen enttäuscht worden und so zu einer rein subjektiven, emotional gefärbten und voreiligen Bewertung gelangt … werdet ihr jetzt denken. Ich wünschte, es wäre so!

Der Film ist optisch bombastisch in Szene gesetzt und weiß mit dem ein oder anderen herrlich ekligen Monster zu vergnügen. Besonders eine Szene, in der ein Crew Mitglied sich bei vollem Bewusstsein von einem vollautomatischen OP-Tisch ein Alien-Baby raus operieren lässt, ist mir als gelungene Szene in Erinnerung geblieben. Zudem konnte mich Michael Fassbender mit seiner Darstellung des künstlichen Menschen „David“ absolut überzeugen.

Blöd nur, wenn das alles ist. Und die 5 Punkte, die ich mir als halbwegs vertretbare Bewertung aus den Rippen geleiert habe, vergebe ich tatsächlich ausschließlich für die Optik, Fassbenders Rolle und die „mildly amusing scene“ mit dem OP-Tisch. Der Rest ist CRAP fragwürdig.

Ich versuche mal meinem Ärger Luft zu machen, indem ich ein paar Fragen stelle, die euch beim Schauen sicherlich auch auf der Zunge liegen würden:

Um raus zu finden, ob Ridley Scott die Menschheit vom Affen abstammt oder vielleicht von „Engineers“ gezüchtet wurde, fliegt die Besatzung der Prometheus ins All. Als Hilfe dient ihnen eine Sternenkarte, die die Außerirdischen scheinbar schon vor hunderten von Jahren hirnlosen Höhlenmenschen als Tapete hinterlassen haben, falls die mal schlau genug werden sollten, Ihre Schöpfer im All zu besuchen. WAIT WHAT?

Yep, aber der Zielplanet ist nur eine Art Waffenfabrik, auf der ein Raumschiff der „Engineers“ darauf wartet, die Erde zu zerstören, falls die Höhlenmenschen wirklich aufkreuzen sollten. Hä?

Und wieso schickt die Menschheit eine Rotte Paviane auf Speed zu unseren vermeintlichen Schöpfern, wenn man auch hätte Wissenschaftler schicken können? Zwar heißen die „Wesen“ an Bord des Raumschiffs „Wissenschaftler“, aber wer auf einem fremden Planeten, in einem düsteren Raumschiff, rumfuhrwerkt, wie ein Elefant im Porzellanladen, der hat sein Diplom wohl in Holland gekauft!? Ernsthaft, nur weil die Messwerte ergeben, dass man die Luft atmen kann, ziehen erst mal alle ihre Helme aus, um wie Kinder, die eine Führung in Charlies Schokoladenfabrik gewonnen haben, hysterisch loszulachen! Viren, Mikroben…anyone? Nö, ist bestimmt zu atmen und ungefährlich. Außerdem fassen die Bekloppten sofort alles an, was irgendwie schleimig, eklig oder mit Tentakeln ausgestattet ist. Bei Alien wurde jemand von einem Parasiten befallen. Shit happens. Bei Prometheus hingegen scheinen sich die Leute geradezu um eine Infizierung mit außerirdischer Scheisse zu prügeln. WHY?

Und dann diese beiden Geographie/Biologie-Pappnasen, die beschließen, dass alles doch recht scary ist und man lieber zum Schiff zurückkehren sollte. Eigentlich sogar eine ungewohnt schlaue Entscheidung im Kontext des Films. Doch nachdem auch das restliche Team auf Grund eines an den Haaren herbeigezogenen Schrapnell-Sturms wieder zurückkehren muss, stellt sich heraus, dass sich Dick und Doof trotz 3D-Computer-Map im Schiff verlaufen haben. Wie haben die das bitte geschafft?

Und wieso ändern sie plötzlich ihre Meinung, dass der Ort gefährlich und angsteinflößend ist, nur weil sie die ganze Nacht da verbringen müssen? Oder wie ist zu erklären, dass sich der eine von ihnen mit dem mutierten Wurm anfreunden will, der aussieht wie ein großer Penis? Wenigstens sterben die Idioten an ihrem Sinnenwandel.

Wieso sagt das infizierte Crewmitglied, welches winzige Tentakeln in seinem Auge bemerkt, den anderen nichts davon? Und wieso mutiert er dann zum Zombie? Und wieso bittet er dann Charlize Theron darum, ihn bitte aufzugeben und mit dem Flammenwerfer zu rösten?

Und wieso macht das schwarze Glibberzeug immer was anderes? Wieso trinkt der Außerirdische am Anfang des Films was davon und erschafft so das Leben auf der Erde mit seiner sich auflösenden DNA, während andere Wesen dadurch zu Zombies werden und wieder andere zu Oktopuss-Viechern mutieren?

Wieso kann der tolle OP-Tisch an Bord der Prometheus nur Männer operieren? Bullshit-Alarm? Hauptsache, die infizierte Tuse muss sich einen Alien-Parasiten mit dem Laser rausschneiden lassen. Und wieso kann sie nach so einem Eingriff und einem notdürftig zusammen getackerten Körper noch sportliche Höchstleistungen vollbringen? Und wieso lässt sie das Tentakel-Viech einfach in dem Raum zurück? Ein Monster, allein auf einem Raumschiff, welches ungewohnt schnell im Körper herangewachsen ist…was soll da schon schief gehen?

Und wieso hat der gealterte Weyland seinen Tot vorgetäuscht? Und wieso lässt sich eine gesamte Crew überhaupt über 2 Jahre in Cryo-Schlaf versetzen, nur um erst am Zielort zu erfahren, was eigentlich geplant ist?

und und und und … mir würden bei längerem Grübeln bestimmt noch viele Fragen einfallen, die der seltsame und willkürliche Plot bei mir hervorruft.

Aber lange Rede, kurzer Sinn: Nach viel Gesterbe und Rumbefruchte kommt am Ende des Films ein Wesen raus, dass schon Ähnlichkeiten mit DEM Alien hat. Graz. Der Engineer wird versehentlich von einem Riesenoktopuss tot gevögelt und erschafft so die fiese Alienrasse, die uns schon bekannt ist. Klar. Why not?

Natürlich könnte man einige meiner Fragen mit „Künstlerische Freiheit“ und wieder andere Fragen mit halbwegs intelligenten Äußerungen beantworten. Aber ganz sicher nicht alle. Und es gibt einfach so viel Bullshit in diesem Film, was Story, Handlungsweisen von Personen etc. anbelangt, dass es einfach den Gesamteindruck mit einem riesigen Befruchtungspenis erstickt.

Fazit:

Ich bin froh, dass meine Neugier gesiegt hat und ich kein Geld für die Kinokarte ausgegeben habe. (Was ich btw noch gemacht hätte, wenn der Film nur halbwegs überzeugt hätte, da ich der festen Meinung bin, dass Künstler für eine Leistung bezahlt werden sollten). Aber das wäre einer dieser Kinoabende gewesen, die mir als Kloß der Enttäuschung noch lange im Hals verblieben wäre. Der Film ist sicherlich (optisch) nett und einen DVD Abend wert, jedoch bleibt er weit hinter den Erwartungen zurück, die Fans an den Alien-Mythos und Ridley Scott als visionären Filmemacher gestellt hatten.

Vielleicht kann Scott auch gar nichts dafür, sondern leidet nur unter der in Hollywood grassierenden Krankheit mit Namen „let’s fuck this mythos up!“ Irgendwie scheint diese Krankheit alternde Regisseure zu treffen, die Prequels (oder einfach weitere Teile) ihrer Kultfilme drehen wollen. Mein Beileid nochmal an George Lucas und Steven Spielberg. Nehmt bitte eure Tabletten. Und gebt Ridley Scott ein paar ab, denn ich habe schon Gerüchte über Prometheus 2 gehört. Der Alien-Gott stehe uns bei…

Über Thilo (1602 Artikel)
Hi, ich bin der Gründer dieses bekloppten Blogs. Außerdem Realitätsflüchter, Romantiker, Rollenspieler, Gamer, Fantasynerd, Kneipenphilosoph und hochstufiger Spinner. Manchmal jogge oder schwimme ich, doch meistens trinke ich Bier.

2 Kommentare zu Filmkritik Prometheus: Ist Ridley Scott ein Affe?

  1. Schade…werde mir den auch nochmal ansehen, aber dank dir wenigstens mit der richtigen Erwartungshaltung 🙂

    •  einer der Filme, auf die ich mich am meisten gefreut habe … der rangierte so auf einem Platz mit dem Hobbit Ende des Jahres. Und dann tut mir Scott sowas an … um es mit Goethe zu sagen: wtf

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